So viele Menschen wie möglich.

Mein Kollege und Freund Wolfgang Jung, Pastor in der Calvary Chapel Freier Grund, hat auf seinem Blog einen Eintrag zu der Frage ‘So viele Menschen wie möglich – oder alle Volksgruppen?‘ veröffentlicht. Inspiriert ist sein Artikel von einer Predigt von David Platt. In seinem Artikel schreibt er, es sei Ungehorsam gegenüber Gottes Wort, wenn wir die Enden der Stadt den Enden der Erde vorziehen. Ich teile weder seine Definition ‘unerreicht’, noch seine Definition von ‘Volksgruppe’. Zu diesem Artikel hier mein Kommentar:

1 – Deine Sichtweise unterschätzt die große Kluft innerhalb der Subkulturen innerhalb einer Nation. Zu sagen, dass ‘Deutschland’ erreicht ist, impliziert, dass es eine suprakulturelle Ebene gibt, auf der man das Evangelium kommunizieren könnte, oder dass es ‘die Deutschen’ gibt – eine realitätsferne Vorstellung. Tatsächlich gibt es Milieus, Kulturen und Subkulturen in Deutschland, denen das Evangelium noch nicht tatsächlich kommuniziert worden ist. Deine bzw. Platt’s Definition von ‘Volksgruppe’ ist viel zu theoretisch und konservativ. Wie wäre es denn z. B. mit der Sprachgruppe ‘kiezdeutsch’? Ist die schon erreicht?

2 – Gott wird die Menschen als Einzelpersonen richten, nicht nach Volkszugehörigkeit (hier Bibelverse anzuführen wäre albern, es gibt so viele…). Das zeichnete sich im Alten Testament schon ab, aber im Neuen ist es ausdrücklich (siehe z. B. Paulus’ Definition vom ‘wahren Juden’ im Römerbrief). Vor Allem bin ich dankbar, dass Gott mit Sicherheit nicht anhand von statistischen Angaben und einer theoretischen Möglichkeit beurteilen wird. Ich empfinde diese Art von Denken als entmenschlicht und mechanisch. Die Verantwortung vor Gott ist nicht an nationale Zugehörigkeit sondern an die persönlichste aller Entscheidungen und an einen Lebensweg geknüpft.

3 – Das Gleiche gilt für Jüngerschaft. Einen Menschen als ‘erreicht’ zu betrachten, wenn er das Evangelium mal gehört hat, greift meiner Meinung nach nicht weit genug. Selbst wenn er ‘eine Entscheidung für Jesus trifft’, fängt die Aufgabe des Missionsbefehls erst an. Wir sammeln ja nicht einmalige Entscheidungen für Jesus, sondern sollen Menschen zu Jüngern machen. Nach deiner Definition kann man also eine Nation zu einem Jesusnachfolger machen, indem man in ihr ein Zeugnis für das Evangelium installiert, sie also nach einer statistischen Definition als ‘erreicht’ gilt? Wie soll man denn eine Volksgruppe als Kollektiv taufen? Der Missionsbefehl zielt ganz klar darauf ab, Einzelpersonen zu erreichen und sie zu Jüngern zu machen. Das beinhaltet das Taufen, also das Hinzufügen zu einer anbetenden Gemeinschaft. Eine Nation kann man nicht taufen, und ihr nicht beibringen, als Christ zu leben. Deswegen kann man auch nicht einer Nation generisch das Evangelium predigen.

4 – Wenn Christsein etwas mit Gemeindezugehörigkeit – und nicht nur mit einem Ticket zum Himmel – zu tun hat, müsste es genügend Platz in Kirchen und Gemeinden geben, um alle Menschen zu fassen, bzw. die Strukturen dazu geben (es sei denn, man übernimmt den Ansatz der ‘organic church’). Da sind wir, insbesondere in den Großstädten noch weit von entfernt. Wie viele Gemeinden sollte es z. B. in einer Großstadt wie Berlin geben, damit alle Menschen tatsächlich eine Chance haben, Christen zu sein? Und wesentlich größere Megastädte sprießen wie Pilze aus dem Boden.

5 – Was ist mit anderen Konfessionen? Ist ein katholisches oder orthodoxes Land unerreicht, weil es weniger als 2% Evangelikale hat? ‘Mit dem Evangelium erreicht’ ist also ‘von uns erreicht’?

6 – Besonders schwierig finde ich es, wenn wir für andere Volksgruppen entscheiden, ab wann wir sie für erreicht halten. Das ist ethnozentrisch und bevormundend.

7 – Was wäre, wenn ‘die Enden der Erde’ nicht mehr geographisch weit weg sind, sondern in der Großstadt ein Haus weiter wohnen?

8 – Und glaubst du wirklich, dass Jesus sich bei seinem Timing für seine Wiederkunft nach evangelikalen Statistiken richten wird?

Ich gehe mal stark davon aus, dass Platt als Neo-Calvinist Post- oder Amilleniarist ist, und deswegen diese Sichtweise vertritt. Darf ich dich auch da einordnen?

Interview with Chuck Smith

An Interview with Pastor Chuck from Calvary Chapel on Vimeo.

„Wir sind die Kirche!“ Wirklich?

„Wir sind die Kirche!“ Wirklich?.

 

Ursprünglich veröffentlicht auf soulfire köln:

“Ich war ein Ausländer  bei euch, und ihr habt mich aufgenommen.” (Jesus in Matthäus 25,35)

Deutschland ist Einwanderungsland – das ist erst einmal eine Tatsache. Jeder fünfte Bundesbürger hat seine Wurzeln im Ausland. In Köln ist es fast jeder Dritte. In der Gesellschaft gibt es zwei Reaktionen darauf: die eine Seite fühlt sich bedroht. Meiner Meinung nach wird hier die tiefe Unsicherheit der Deutschen im Bezug auf die Frage nach der kulturellen Identität sichtbar. Angst ist kein guter Zustand, und führt auch in diesem Bereich entweder zu Flucht (Rückzug, Abschottung) oder Angriff (aktiver Rassismus).

Die andere, politisch korrektere Seite spielt die Unterschiedlichkeit herunter und tut so, als wäre Verschiedenheit per se etwas Wunderbares. Sie verschließen die Augen von den äußerst realen Konflikten. Da sich nicht mit dem befasst wird, was die Menschen tatsächlich voneinander trennt, kann auf diesem Weg keine Gemeinschaft entstehen. Die Ansätze der Politik sind einfach zu weit…

Original ansehen noch 1.217 Wörter

A Response to the Emerging Church

Good article, found on Justin Alfred’s website.

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