Archiv für November 2009

Eine Frage der Ideologie

Im Sommer haben wir unseren Antrag auf Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe weggeschickt. Statt einer Antwort über den Ausgang der Sitzung lasen wir in der Westfälischen Rundschau, dass einige Personen in dieser Sitzung zu große Bedenken bezüglich unserer Ideologie hätten, und deswegen lieber eine Befragung durchführen wollen (siehe hier). Diese Befragung wird morgen stattfinden. Dabei soll ich in 5 Minuten die Jugendarbeit vorstellen, und dann evtl. Fragen beantworten.

Vor ein paar Tagen meldete sich dann jemand vom WDR Fernsehen, sie würden gerne einen Beitrag über uns als Gemeinde und über diesen Vorfall im Spezifischen machen. Ich lehnte unter Verweis auf negative Erfahrungen in der Vergangenheit (ein Beispiel) ab. Als ich aber um eine schriftliche Stellungnahme gebeten wurde, entschied ich mich dazu, mich auf diesem Wege dazu zu äußern. Konkret sah das so aus, dass ich zwei Fragen beantwortete. Hab mir gedacht, es könnte vielleicht ein paar Leute interessieren, was ich da so geschrieben habe…deswegen hier der Inhalt der eMail:

/Wie bewerten sie die ablehnende Haltung einiger Ausschussmitglieder zur
Anerkennung als Träger der Jugendhilfe?/

Meiner Meinung nach gibt es zwei mögliche Gründe für diese ablehnende
Haltung: entweder werden wir hier missverstanden. Das könnte daran
liegen, dass man sich nur oberflächlich und flüchtig mit unserem
Weltbild auseinandergesetzt hat, was man durch einen offenen Dialog
ändern könnte. Oder, und das ist die zweite Möglichkeit, man versteht
unsere Position sehr wohl, lehnt sie aber ab. In dem Fall geht es um
unterschiedliche Weltanschauung, um einen unterschiedlichen Glauben. Uns
auf dieser Grundlage als Träger der Jugendhilfe abzulehnen halte ich
politisch für nicht korrekt – immerhin verachten wir niemanden, sondern
versuchen, als Christen jedem in Liebe (und das heißt auch auf
Augenhöhe) zu begegnen. Dass wir an einen Gott glauben, der uns aus
Liebe nicht nur einen richtigen, sondern den für uns guten Weg aufzeigt,
darf nicht Grundlage für eine abwertende Andersbehandlung von Seiten der
Politiker werden!

/Kritiker werfen ihnen vor, in einigen Fragen, wie zum Beispiel der
Homosexualität, fundamentalistische Positionen zu vertreten. Können sie
diese Kritik verstehen?/

Wie gesagt: ich kann nachvollziehen, dass jemand, der nur einen
flüchtigen Blick auf uns wirft, uns in diese Schublade steckt. Aber für
eine konstruktive Zusammenarbeit sind diese Vorurteile natürlich ein
echtes Hindernis. Meines Wissens nach führt sich der Begriff
‚Fundamentalismus‘ auf das Buch eines christlichen Autors (R. A. Torrey)
zurück, welches den Titel ‚The Fundamentals of Christian Doctrine‘ (Die
Grundlagen der christlichen Lehre) trug. In diesem Sinne wollen wir
unseren Wurzeln treu bleiben. Damit ist nichts anderes gemeint, als dass
wir die klassischen, christlichen Glaubensbekenntnisse tatsächlich
glauben. Natürlich gibt es – vor Allem in Amerika – einen evangelikalen
Fundamentalismus, von dem wir uns allerdings deutlich distanzieren. Uns
trotzdem mit diesen Gruppen in Verbindung zu bringen mag medienwirksam
sein, aber es geht weit an der Realität vorbei. Wir sind biblizistisch
(„theologische Auffassung und Methode, die alle Glaubensinhalte
ausschließlich der Bibel entnimmt und Dogmatik wie Ethik allein in
Gestalt harmonisierender Reproduktion biblischer Gedanken anerkennt“;
Evangelisches Kirchenlexikon), aber nicht fundamentalistisch – da zu
differenzieren, würde schon sehr helfen.

Für mich scheint es, als hätte der jüdische Professor Joseph Weiler
Recht, wenn er sagt, dass er momentan in Europa eine ‚Christophobie‘
beobachtet. Unwissenheit bewirkt Furcht, und diese Furcht bewirkt
Ablehnung. Um Ablehnung zu beseitigen, muss man die Furcht nehmen, und
um die Furcht vor dem Unbekannten zu nehmen, muss man sich mit den
grundlegenden Standpunkten des christlichen Glaubens bekannt machen,
sich informieren. Vielleicht ist die Ursache dieser ganzen Problematik
ja einfach, dass für die Menschen in Deutschland die Bibel zu einem Buch
mit sieben Siegeln geworden ist.

Natürlich glaube ich nicht, dass jeder, der unseren Glauben versteht,
ihn auch übernimmt (obwohl dies meiner Ansicht nach häufiger passieren könnte).
Jeder, der eine starke Position vertritt, wird leidenschaftliche
Gegner haben. Aber: jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung –
solange damit keine Mitmenschen diskriminiert oder in ihren Freiheiten
eingeschränkt werden. Das gilt dann allerdings für beide Seiten!

Advertisements

Gewalt in der Bibel

Diese Predigt war eine Vorbereitung für das Studium durch das Buch Josua in unserer Jugendgruppe. Ich halte das Thema für sehr wichtig und relevant…

Das Buch Josua berichtet von der Landnahme Israels unter der Führung ihres neuen Oberhauptes Josua, und gilt als ein Paradebeispiel für das, was Kritiker als eins der größten Probleme darstellen, dass sie nicht bloß mit der Bibel, sondern mit dem judeo-christlichen Glauben haben. Aber nicht nur Kritiker, sondern auch aufrichtige und denkende Christen haben dieses Problem.

Das Problem klingt folgendermaßen: Die Bibel ist ein gewaltverherrlichendes Buch. Der Gott der Bibel ist gewalttätig und brutal. Und an so einen Gott aus so einem Buch zu glauben ist im besten Falle mittelalterlich, im schlimmsten Falle saugefährlich. Auf jedem Fall widerspricht es allem, was wir im Bezug auf Krieg, Gewalt und einen Gott der Liebe eigentlich denken und fühlen.

Und mit dem Vorwurf „Die Bibel ist ein gewaltverherrlichendes Buch“ treffen sie voll den Nerv der momentanen Situation. Weil alle sind sich einig, dass momentan der religiöse Terrorismus eine der größten Gefahren für die Menschen darstellt. 41 Prozent der Deutschen haben Angst vor Terrorismus, 31 Prozent vor Krieg mit deutscher Beteiligung. (Studie von 2008) Viele atheistische Kritiker haben durch den islamistischen Terror ordentlich Wind in die Segel bekommen, und nutzen die Gelegenheit, um auf alle Religionen (vor allem die monotheistischen, weil da angeblich das meiste Gewaltpotential steckt) draufzuhauen.

Deswegen werden z. B. die beiden im Jemen getöteten Krankenschwestern mit islamistischen Selbstmordattentätern in einen Topf geworfen – sind ja alles fundamentalistische Märtyrer, die sich für ihren Gott opfern…

Deswegen findet der (selber fundamentalistische) Atheist Dawkins mit seinem ‚Gotteswahn‘ Gehör, wo er z. B. über den ‚Gott des Alten Testaments‘ schreibt: „Der Gott des Alten Testaments ist die unangenehmste Gestalt der gesamten Dichtung: eifersüchtig und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Kontroll-Freak; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, kinds- und völkermörderischer, ekliger, größenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann.“ Seiner Meinung nach muss sich jeder denkende, aufgeklärte Mensch, der das dritte und vierte Buch Mose gelesen hat, deutlich davon distanzieren.

Religionen, Frömmigkeit und Glaube werden von den Medien oft kleingemacht und geächtet. Vielleicht sind euch die Dokumentationen oder Beiträge im Internet bekannt, in denen auch vor christlichem Fundamentalismus gewarnt wird. Bevor wir uns aber angegriffen oder verfolgt fühlen, müssen wir uns folgendes vor Augen führen:

Die Meinung der Medienmacher ist nicht repräsentativ. Journalisten sind überdurchschnittlich konfessionslos. Der Referent Andreas Püttmann schreibt im christlichen Medienmagazin pro:

„Bedrohungen christlicher Freiheit gehen insofern heute meist nicht mehr vom Staat aus, sondern kommen aus der Gesellschaft. „Deutsche Bischöfe fürchten nicht den Bundeskanzler, sondern den Fernsehjournalisten“, brachte es der Staatsrechtler und Philosoph Josef Isensee auf den Punkt. In Umfragen hat sich diese Berufsgruppe auch als überdurchschnittlich ungläubig und kirchenfern gezeigt.“

Mit anderen Worten: was die Medien sagen deckt sich nicht eins zu eins mit dem, was das Volk wirklich denkt. (Auf der anderen Seite muss man natürlich zugeben, dass die Medienmacher gleichzeitig die Meinungsmacher und Stimmungsmacher im Land sind…)

Jemand hat mal gesagt: ‚Fundamentalisten sind immer die Anderen‘. Und das trifft auch hier zu. Die Leute, die unsere Weltanschauung als radikal, ideologisch, und intolerant beschimpfen, haben natürlich selber auch eine Weltanschauung. Zum Beispiel: „Gott gibt es nicht“ oder „Gott kann man nicht beweisen“ oder „Religion ist gefährlich“ oder „Es gibt keine absolute Wahrheit“. Aber das sind nichts Anderes als nicht wissenschaftlich beweisbare Glaubenssätze. Das ist ihr Glaube, den sie oft sehr fundamentalistisch und radikal vertreten.

Und drittens geht es bei den Medien ja vor Allem auch um Geld. Deswegen werden Ängste und Unsicherheiten vom Volk aufgegriffen und dann zum großen Thema gemacht. Das nennt man Populismus. Es kommt gut an, es verkauft sich gut.

Durch die Geschehnisse in der Welt und verstärkt durch die voreingenommenen Medienberichte sind die Menschen (besonders in der westlichen Welt) für das Thema ‚Religion und Gewalt‘ sensibilisiert. Das heißt sie achten mehr darauf, das Bewusstsein ist mehr da.

Wenn du, oder jemand, den du kennst, mit dem Thema ‚Gewalt in der Bibel‘ bzw. ‚Gewalt und Religion‘ ein Problem hat, dann können vielleicht folgende Überlegungen etwas weiterhelfen:

  1. Gewalt gibt es überall, wo es Menschen gibt

Gewalt gehört zur Geschichte der Menschen. Auch zu Gottes Geschichte mit den Menschen, wie sie z. B. in der Bibel berichtet wird. Deswegen sollte es uns erstmal nicht verwundern, dass die Bibel voller Gewalt ist – zeigt es uns doch, dass sich Gott mit den echten Problem befasst.

Natürlich ist Gewalt in Verbindung mit religiösen Überzeugungen gefährlich. Jeder, der glaubt, dass das Reich/die Herrschaft Gottes mit Gewalt durchgesetzt werden muss, ist eine potenzielle Gefahr für seine Mitmenschen. Aber gilt das Gleiche nicht auch im Bezug auf alle politischen Überzeugungen? Darf man irgendeine Staatsform (Demokratie, Diktatur, Kommunismus) mit Gewalt durchbringen? Wie viele nicht-religiöse Kriege hat es in den letzten 200 Jahren gegeben? Wie viele atheistische Grausamkeiten?

Hier ist die einfache Schlussfolgerung des katholischen Theologen Norbert Lohfink: „Gewalt zeigt sich überall, wo Menschen leben.“ Natürlich gibt es Ideologien, die den Einsatz von gewaltsamen Mitteln fordern oder begünstigen. Aber deswegen kann man nicht Ideologien/Überzeugungen/Religionen per se verantwortlich machen. Das Problem ist die Gewaltbereitschaft des Menschen, nicht seine Weltanschauung. Kritiker können nicht das Problem der Gewalt auf die Bibel schieben, und so tun, als würden sie mit der Abschaffung der Bibel und des Glaubens gleichzeitig die Gewalt abschaffen. Eine atheistischere Welt ist keine friedlichere Welt, das hat die Geschichte gezeigt.

Außerdem wurde auch oft genug die Religion mißbraucht, um Kriege anzuzetteln. In diesen Fällen darf nie die Religion an sich verantwortlich gemacht werden, sondern die entsprechenden Personen tragen eine doppelte Schuld!

„Wir können selbst im Fall einer grundsätzlichen Ablehnung der Gewalt niemals ausschließen, daß innerhalb des Judentums oder innerhalb des Christentums die Gewalt im Lauf der Geschichte neu emporgetaucht ist – bei Einzelnen, bei Gruppen, vielleicht bei allem, was in einer bestimmten Epoche öffentlich als Judentum oder Christentum auftritt. Sie ist es, und zwar mit geschichtlicher Wucht. Aber das muß dann von einer Buchreligion, die gegen die Gewalt ist, als Abfall vom eigenen Wesen beurteilt werden. Es ist Sünde, und Judentum wie Christentum kennen ja durchaus die Umkehr und die Rückkehr zum Ursprung. In einem solchen Falle kann man im Namen Gottes auftretende Gewalt nicht der Religion, sondern nur ihren schlechten Vertretern anlasten. (Norbert Lohfink)

Die Quelle der Gewalt ist laut Bibel der Mensch, nicht Gott/die Götter (1. Mose) => alle von Menschen erdachten Systeme (=> Herrschaft) basieren auf Gewalt, aber nicht das Reich Gottes!

2.  Gewalt ist ein notwendiges Übel

Weil es Menschen gibt, die Gewalt einsetzen, muss es auch eine staatliche, regulierende Gewalt geben. (Beispiel: Weil es pöbelnde, prügelnde Besoffene gibt, muss es Polizisten mit Schlagstöcken geben.)

Ist (geordnete, kontrollierte, staatliche) Gewalt in dieser gefallenen Welt notwendig? Die Antwort lautet leider Ja. „Um die Gewalt zu bändigen, ist leider Gewalt vonnöten.“ (Norbert Lohfink)

Und eigentlich glaubt auch jeder an dieses Prinzip. Deswegen ist es Heuchelei, wenn ich dann die Tatsache verurteile, dass z. B. Gottes Gebote mit entsprechender Strafe verbunden waren. Dazu gehört übrigens auch das sogenannte ‚Kriegsrecht‘. In einer Kriegssituation gibt es Ausnahmeregelungen. Manche Dinge, die während des Friedens wichtig waren, sind im Krieg vielleicht nicht mehr so wichtig. Andere Dinge, die während des Friedens keinen interessierten, müssen in einer Kriegssituation hart bestraft werden. Vieles von dem, was wir im AT sehen, fällt unter diese Kategorie ‚Kriegsrecht‘. In diesen Fällen waren die Gesetze gar nicht für den Normalfall gegeben.

‚Ja, aber‘ kann man an diesem Punkt vielleicht sagen, ‚mich stören trotzdem zwei Aspekte.‘

a) ‚Es gibt keine religiösen Verbrechen. Staat und Kirche müssen getrennt bleiben! Jede Vermischung ist gefährlich! Wir wollen keinen Gottesstaat wie im Iran.‘ Das klingt natürlich sehr fortschrittlich. Aber eigentlich ist es Unsinn. Man kann vielleicht die Institutionen Staat und Kirche trennen – aber Glaube und Politik lassen sich nie trennen. Die Politik, die gemacht wird, basiert immer auf dem Glauben der Politiker! Für uns hier, in unserer Gesellschaft, ist das vielleicht nicht mehr so deutlich, aber es ist noch genauso wahr, wie es vor 3000 Jahren gewesen ist.

Beispiel: Vor ein paar Jahrzehnten noch haben die Politiker geglaubt, dass Homosexualität widernatürlich und dass wilde Ehen zu verurteilen sind. Heute glauben Politiker (weil wissenschaftlich ist es nicht eindeutig), dass Homosexualität nur eine weitere akzeptable Form der persönlichen Sexualität ist. Früher wurde homosexueller Geschlechtsverkehr bestraft, heute verstößt man gegen das Antidiskriminierungsgesetz, wenn man sich gegen Homosexualität ausspricht.

b) ‚Die Bestrafungen waren unverhältnismäßig hart. Da wurden zum Beispiel Kinder gesteinigt, weil sie ihren Eltern gegenüber rebellisch waren oder Leute wurden für Götzendienst mit dem Schwert erschlagen.‘ Auf diesen Einwand würde ich zwei Dinge entgegnen: erstens muss man die Möglichkeit stehen lassen, dass es vielleicht genau andersrum ist. Vielleicht waren die Bestrafungen damals ja gar nicht unverhältnismäßig hart, sondern unsere Bestrafungen sind unverhältnismäßig weich. Wer legt das fest? Woran macht man das fest? Hängt nicht auch das wieder von meinem persönlichen Glauben ab? Von meinem Menschenbild? Zweitens: selbst wenn es damals wirklich sehr heftig war – es war eben damals. Der Bibelkommentator Alexander MacLaren schrieb als Anmerkung zu dem Gottesgericht aus 2. Mose 32:

„Wir müssen uns nicht weiter mit der fürchterlichen Vergeltung befassen, die nicht als Massaker, sondern als Gesetzesausführung gesehen werden muss. Es ist unsinnig, die Überzeugungen dieses christlichen Jahrhunderts auf diese Geschichte, oder ähnliche Begebenheiten, anzuwenden. Wir brauchen uns nicht davor zu fürchten, zuzugeben, dass die Moralität weiterentwickelt hat. Harte Zeiten brauchen harte Strafen.“ (MacLaren)

Diese Aussage führt uns zum dritten Punkt:

3.  Fortschreitende Offenbarung

Jeder, der die Bibel mal gelesen hat, wird es bemerkt haben: Gott offenbarte sich und seinen Willen für die Menschen stückchenweise, Schritt für Schritt. Sein Heilsplan reifte heran und entfaltete sich dann langsam – wie eine Blüte (Knospe=>Blüte). Es gibt eine offensichtliche Entwicklung im Verständnis (Erleuchtung), fortschreitende Offenbarung in und durch die Menschheitsgeschichte. Die Bibel ist eben nicht – wie der Koran – an einem Punkt fertig vom Himmel gefallen, sondern wurde im Laufe eines sehr großen Zeitraums verfasst. Zu dieser Entwicklung gehört nicht nur ein besseres, vollständigeres Verständnis von Gottes Plan und seinem Herz für die Menschen, sondern damit zusammenhängend auch das, was wir ‚einen zivilisierteren Umgang miteinander‘ bezeichnen würden.

Man kann deswegen nicht auf die gottesstaatliche Gewalt im Volk Israel zeigen und sagen: ‚Siehst du, da steht es – das will Gott so, so ist Gott.‘ Was wir (besonders im AT) berichtet sehen, ist einer der notwendigen Schritte auf dem Weg. Man sieht in der Bibel wo dieser Weg beginnt, wie er verläuft, und auch wohin er führt.

Wohin führt der Weg Gottes mit den Menschen, wie er in der Bibel aufgezeichnet ist? Zum Frieden. Friede zwischen den Menschen und ihrem Gott, und Frieden untereinander. Das sieht man in Gottes Plan für die Gemeinde als friedvolle, friedensstiftende Gegengesellschaft. Und das sieht man natürlich besonders an Jesus selbst.

Der Opfertod Jesu am Kreuz zeigt, dass es ein Problem gab, das gewaltsam gelöst werden musste – das Problem der Sünde, dem Grund für die Gewalt in der Welt. Gleichzeitig zeigt das Kreuz uns den Weg Jesu: Dass es besser ist, auch gewalttätiges Unrecht zu erleiden, als selber durch Gewalt zu herrschen. Der christliche Glaube hat oft Frieden gestiftet, Schwache befähigt, gegen gewalttätige Regimes aufzustehen und Unterdrückten und Verfolgten mit Würde und aufrecht zu leiden oder zu sterben.