Eine Frage der Ideologie

Im Sommer haben wir unseren Antrag auf Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe weggeschickt. Statt einer Antwort über den Ausgang der Sitzung lasen wir in der Westfälischen Rundschau, dass einige Personen in dieser Sitzung zu große Bedenken bezüglich unserer Ideologie hätten, und deswegen lieber eine Befragung durchführen wollen (siehe hier). Diese Befragung wird morgen stattfinden. Dabei soll ich in 5 Minuten die Jugendarbeit vorstellen, und dann evtl. Fragen beantworten.

Vor ein paar Tagen meldete sich dann jemand vom WDR Fernsehen, sie würden gerne einen Beitrag über uns als Gemeinde und über diesen Vorfall im Spezifischen machen. Ich lehnte unter Verweis auf negative Erfahrungen in der Vergangenheit (ein Beispiel) ab. Als ich aber um eine schriftliche Stellungnahme gebeten wurde, entschied ich mich dazu, mich auf diesem Wege dazu zu äußern. Konkret sah das so aus, dass ich zwei Fragen beantwortete. Hab mir gedacht, es könnte vielleicht ein paar Leute interessieren, was ich da so geschrieben habe…deswegen hier der Inhalt der eMail:

/Wie bewerten sie die ablehnende Haltung einiger Ausschussmitglieder zur
Anerkennung als Träger der Jugendhilfe?/

Meiner Meinung nach gibt es zwei mögliche Gründe für diese ablehnende
Haltung: entweder werden wir hier missverstanden. Das könnte daran
liegen, dass man sich nur oberflächlich und flüchtig mit unserem
Weltbild auseinandergesetzt hat, was man durch einen offenen Dialog
ändern könnte. Oder, und das ist die zweite Möglichkeit, man versteht
unsere Position sehr wohl, lehnt sie aber ab. In dem Fall geht es um
unterschiedliche Weltanschauung, um einen unterschiedlichen Glauben. Uns
auf dieser Grundlage als Träger der Jugendhilfe abzulehnen halte ich
politisch für nicht korrekt – immerhin verachten wir niemanden, sondern
versuchen, als Christen jedem in Liebe (und das heißt auch auf
Augenhöhe) zu begegnen. Dass wir an einen Gott glauben, der uns aus
Liebe nicht nur einen richtigen, sondern den für uns guten Weg aufzeigt,
darf nicht Grundlage für eine abwertende Andersbehandlung von Seiten der
Politiker werden!

/Kritiker werfen ihnen vor, in einigen Fragen, wie zum Beispiel der
Homosexualität, fundamentalistische Positionen zu vertreten. Können sie
diese Kritik verstehen?/

Wie gesagt: ich kann nachvollziehen, dass jemand, der nur einen
flüchtigen Blick auf uns wirft, uns in diese Schublade steckt. Aber für
eine konstruktive Zusammenarbeit sind diese Vorurteile natürlich ein
echtes Hindernis. Meines Wissens nach führt sich der Begriff
‚Fundamentalismus‘ auf das Buch eines christlichen Autors (R. A. Torrey)
zurück, welches den Titel ‚The Fundamentals of Christian Doctrine‘ (Die
Grundlagen der christlichen Lehre) trug. In diesem Sinne wollen wir
unseren Wurzeln treu bleiben. Damit ist nichts anderes gemeint, als dass
wir die klassischen, christlichen Glaubensbekenntnisse tatsächlich
glauben. Natürlich gibt es – vor Allem in Amerika – einen evangelikalen
Fundamentalismus, von dem wir uns allerdings deutlich distanzieren. Uns
trotzdem mit diesen Gruppen in Verbindung zu bringen mag medienwirksam
sein, aber es geht weit an der Realität vorbei. Wir sind biblizistisch
(„theologische Auffassung und Methode, die alle Glaubensinhalte
ausschließlich der Bibel entnimmt und Dogmatik wie Ethik allein in
Gestalt harmonisierender Reproduktion biblischer Gedanken anerkennt“;
Evangelisches Kirchenlexikon), aber nicht fundamentalistisch – da zu
differenzieren, würde schon sehr helfen.

Für mich scheint es, als hätte der jüdische Professor Joseph Weiler
Recht, wenn er sagt, dass er momentan in Europa eine ‚Christophobie‘
beobachtet. Unwissenheit bewirkt Furcht, und diese Furcht bewirkt
Ablehnung. Um Ablehnung zu beseitigen, muss man die Furcht nehmen, und
um die Furcht vor dem Unbekannten zu nehmen, muss man sich mit den
grundlegenden Standpunkten des christlichen Glaubens bekannt machen,
sich informieren. Vielleicht ist die Ursache dieser ganzen Problematik
ja einfach, dass für die Menschen in Deutschland die Bibel zu einem Buch
mit sieben Siegeln geworden ist.

Natürlich glaube ich nicht, dass jeder, der unseren Glauben versteht,
ihn auch übernimmt (obwohl dies meiner Ansicht nach häufiger passieren könnte).
Jeder, der eine starke Position vertritt, wird leidenschaftliche
Gegner haben. Aber: jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung –
solange damit keine Mitmenschen diskriminiert oder in ihren Freiheiten
eingeschränkt werden. Das gilt dann allerdings für beide Seiten!

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  1. Na immer langsam mit den jungen Pferden!
    Ich habe mittlerweile festgestellt, jeder sich zu einem bestimmten Glauben bekennt und hier eben zu einem christlichen muss lernen sich mit dem Vorwurf, des Fundamentalismus aus einander setzen.
    Ich sage ganz eindeutig ich bin eine fundamentalistische Christin. So wie das Wort allgemein in den Medien gebraucht wird, trägt es zur allgemeinen Lüge und Wortverwirrung bei. Das Fundament eines jeden gutgläubigen Menschen ist die Liebe zu sich selbst und zu seinem Nächsten. Daran kann sich jeder Mensch messen lassen. Ein gläubiger Christ lebt zu dem aus der Gewissheit, dass das Reich Gottes da ist und eben alles gut ist was geschieht.
    Was also allgemein unter Fundamentalist verstanden wird sind ängstliche und deswegen schnell hassende Menschen, die an die Sünde und damit an eine Verdammung glauben. Da gilt nur: “ Wer die Sünde für möglich hält für den ist die Welt vor der Liebe sicher.“
    Echte Christen begegnen diesem Irrglauben auch mit der Liebe zu ihren Feinden. Denn „die Bibel gebietet uns unsere Nächsten zu lieben und auch unsere Feinde. Vermutlich weil es sich um ein und die selben Personen handelt.“
    Ein Christ weiß, dass Gott die Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat und in jedem Menschen damit Christus trifft. Wenn ihr das lebt sehe ich keine Schwierigkeiten für euch, den Gott ist immer mit den Verlierern.

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