Sind wir eine Sekte?

Hier der Vortrag vom letzten Sonntag (Jugendgottesdienste):

Was ist eine Sekte?

Wenn man jemanden als Sekte oder sektenähnliche Gemeinschaft bezeichnet, ist es natürlich wichtig, dass man den Begriff überhaupt erst versteht. Auf die Frage ‚Was ist eine Sekte?‘ gibt es zwar nicht eine große, aber viele kleine Antworten. Dabei habe ich aufgeteilt in die Technische, die Theologische und die Soziopsychologische Antwort.

Technische Antwort (Wortbedeutung):

Ursprünglich war das Wort ‚Sekte‘ wertneutral (erklären), und hieß nichts anderes als ‚Abspaltung/Splittergruppe‘, eine „von großen Relionsgemeinschaften abgelöste kleine Glaubensgemeinschaft“ (wiktionary).

In der Bibel werden sowohl die Pharisäer (Apostelgeschichte 15,5), als auch die christliche Gemeinde als jüdische Sekten bezeichnet.

„Ich gebe allerdings zu, dass ich dem neuen Glauben folge, den sie als Sekte bezeichnen.“ (Apostelgeschichte 24,14a; NLÜ)

In diesem Sinne sind wir sogar mindestens eine fünffache Sekte: das Christentum hat sich vom Judentum abgespalten, die Katholische Kirche und die Orthodoxe Kirche, die Evangelische Kirche von der Katholischen Kirche, und die Freikirchen von der Evangelischen Kirche, und die unabhängigen Freikirchen von den etablierten Freikirchen.

Weil aber der Begriff ‚Sekte‘ inzwischen immer eine negative Bedeutung hat, wird er in der Wissenschaft nicht mehr so verwendet:

„Die moderne Religionswissenschaft hat das Wort Sekte durch neutrale Bezeichnungen wie religiöse Sondergemeinschaft oder neureligiöse Gemeinschaft ersetzt.“ (wikipedia.de)

Wenn mich jemand fragt, ob wir eine Sekte sind, ist eine meiner ersten Antworten immer: „Wir sind eine Freikirche.“ Wie die Leute das dann einordnen, ist immer noch eine andere Frage.

Theologische Antwort:

Theologisch gesehen ist – aus christlicher Sicht – jede Gruppe eine Sekte, welche sich nicht völlig hinter die Kernaussagen der Bibel stellen kann, welche eine christliche Kirche ausmachen:


  • Glaube an den dreieinigen Gott (Gottheit Jesu und des Heiligen Geistes als Person)
  • Glaube an die Herrschaft Jesu (Jesus ist unser einziger Meister, Lehrer, Anführer und Herr)
  • Glaube an das Evangelium (Gott hat die Menschen durch Christus mit sich versöhnt. In ihm ist uns vergeben, wir sind angenommen und geliebt. All das geschieht völlig unverdient, und wird von demjenigen erfahren, der an ihn glaubt.)
  • Glaube an die Bibel als Gottes Wort. Zitat von der Webseite der EKD: „Für alle christlichen Kirchen ist die Bibel, die Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments, Grund und Quelle ihres Glaubens und ihrer Verkündigung. Sie ist der gemeinsame Bezugspunkt und das Kriterium der christlichen Lehre und darum auch gemeinsamer ökumenischer Besitz aller Kirchen.“

Zusammenfassend gesagt: es dreht sich alles um Jesus! Jesus ist Gott, Jesus ist Herr, Jesus ist Retter und es ist die Bibel allein, die uns Jesus auf diese Weise präsentiert. Gruppen, die diese Glaubenssätze leugnen, sind aus christlicher Sicht eine Sekte (z. B. Zeugen Jehovas oder Mormonen).

Soziopsychologische Antworten:

Kompliziertes Wort, ich weiß…diese Antworten auf die Frage ‚Was ist eine Sekte?‘ haben damit zu tun, wie Menschen sich innerhalb einer Gruppe verhalten, erleben und beeinflussen. Ich möchte euch besonders bei diesen Punkten bitten, gut aufzupassen.

1.  Wahrheitsanspruch

Eine Sekte behauptet, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben. Mit anderen Worten: ‚Wenn du die Wahrheit wissen willst, gibt es für dich nur eine Anlaufstelle. Nur unsere Erklärung der Bibel ist richtig und gültig. Was Christen aus anderen Kirchen oder Denominationen sagen ist unwichtig. Nur bei uns bekommst du die vollständige Wahrheit‘. Wenn du Teil von so einer Sekte bist, glaubst du nichts, was nicht von Leitern deiner Gruppe gesagt oder bestätigt wurde.

2. Heilsanspruch

Eine Sekte behauptet, dass man zu ihr gehören muss, um gerettet zu sein. Es gibt keine Hoffnung auf Erlösung außerhalb der eigenen Gruppe. ‚Wenn du nicht zu uns gehörst, bist du verloren. Wenn du aber Teil unserer Gemeinde bist, brauchst du dir um deine Errettung keine Sorgen zu machen‘.

3. Machtanspruch

Eine Sekte erhebt den Anspruch, über das Leben der einzelnen Mitglieder bestimmen zu dürfen. Die Mitglieder, welche oft auf der Suche nach Wahrheit und Erlösung sind, müssen sich in die strenge Hierarchie einfügen. D. h., du musst gehorchen, und dein Selbstbestimmungsrecht an die Leiter aufgeben. Für jede Entscheidung musst du zu einem Leiter rennen. Dadurch wirst du immer unselbständiger. Dein ganzes Leben wird von der Sekte bestimmt.

Die Frage, mit der wir uns hier beschäftigen lautet ja: ‚Sind wir eine Sekte?‘ Für viele von euch ist das gar keine Frage. Ihr findet die Idee schon absurd. Aber mir ist wichtig, dass ihr diese Frage wirklich selber beantwortet.

Ich versuche mich natürlich in die Leute außerhalb der evangelikalen Welt hineinzuversetzen. Und ich kann z. T. ganz gut nachvollziehen, dass wir in die Schublade gesteckt werden. Das kann daran liegen, dass Leute uns nicht mögen und deshalb finden, dass wir in die Kategorie ‚gefährliche Sekte‘ gehören. Oder sie haben einfach irgendwelche abgedrehten Geschichten gehört. Aber es gibt natürlich auch die Möglichkeit (vor allen Dingen bei einer Gemeinde dieser Größe), dass einzelne Leute Erfahrungen machen, die wirklich in dieses Bild passen. Deswegen tragen wir alle die Verantwortung, darauf aufzupassen, dass wir uns als einzelne Teile dieser Gemeinde an das halten, was wir als Leiterschaft an Grundsätzen weitergeben:

  1. Kein Zwang!

Niemand muss zu uns kommen. Es gibt viele andere Gemeinden und Kirchen in Siegen. Wir dürfen nicht versuchen, Leute dazu zu zwingen, zu uns zu kommen, noch sie zu zwingen, bei uns zu bleiben. Wir haben keine Mitgliedschaft. Jeder kann kommen und gehen, wann er will. Wir haben keinen Mitgliedsbeitrag. Jeder kann geben, was er will.

  1. Keine Gehirnwäsche!

Ich habe euch das schon häufiger gesagt, aber ich werde das immer wieder wiederholen müssen: Mein Wunsch und mein Ziel ist es nicht, dass ihr einfach alles glaubt, was ich sage. Glaubt erstmal nichts von dem, was ich sage. Lest selber nach, macht euch eure eigenen Gedanken. Natürlich sollte ein Christ eine andere Einstellung haben als ein Nichtchrist. Und dass es in einer christlichen Gemeinde/Kirche darum geht, diese Einstellung mehr und mehr zu bekommen ist der Grund für die Predigt. Aber wir betreiben keine Gehirnwäsche. Deswegen ermutigt euch gegenseitig, selber zu denken, und warnt euch gegenseitig davor, alles, was ich sage, als endgültige Wahrheit zu betrachten.

  1. Kein Psychoterror!

Dazu gehört, dass wir Leute auch gehen lassen. Ich kann ehrlich gesagt über diesen Punkt nur müde lächeln, weil wir nämlich eigentlich von ehemaligen Gemeindebesuchern und auch von Leuten, die noch kommen, dafür angeklagt werden, dass wir den Leuten nicht genug nachgehen. Aber es gibt hier natürlich auch einen gesunden Mittelweg. Wenn es mich gar nicht interessiert, wenn jemand wegbleibt, ist das natürlich schlecht. Aber der Person jetzt Angst zu machen und Druck auszuüben natürlich auch.

  1. Keine Abschottung!

Nach meiner Bekehrung hatte ich eine Phase, in der ich alle alten Verbindungen gekappt hatte. Das war in meinem Fall besser, genauso wie jeder Alkoholiker, der eine Therapie macht, sich nicht mehr mit seinen ehemaligen Saufkumpels treffen kann, wenn er dem Alkohol abschwören will. Die Aussagen des Neuen Testaments im Bezug auf dieses Thema kann man mit zwei Bahnschienen vergleichen: auf der einen Seite der Aufruf, sich in der Welt nicht schmutzig zu machen. Auf der anderen Seite der Aufruf, in alle Welt zu gehen und die Liebe Jesu an sie weiterzugeben. Wenn wir nicht ständig darauf achten, dass beides wichtig ist, geraten wir aus der Spur. Wenn du denkst, dass eine Freundschaft dir nicht gut tut, dann ist es natürlich in Ordnung, diese Freundschaft zu kündigen. Aber schotte dich nicht von der Außenwelt ab!

  1. Kein Verschwörungsdenken!

Bei diesem Punkt geht es darum, dass man die ganze Welt in Schwarz und Weiß, in Gut und Böse aufteilt. Alle anderen sind die Bösen und die haben sich gegen uns verschworen. Wir sind immer das Opfer. Christen, die so denken, zitieren dann Verse wie Johannes 15,18-19: „Wenn die Welt euch hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat. Wenn ihr von der Welt wäret, würde die Welt das Ihre lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.“ Oder 2. Timotheus 3,12: „Alle aber auch, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden.“ Aber Vorsicht! denkt daran, was ich immer wieder sage: jeder ist immer Opfer und Täter. Warum hassen uns die Menschen? Wenn die Menschen uns hassen, weil sie z. B. denken, wir würden Homosexuelle diskriminieren, dann hassen sie nicht uns, sondern ihre falsche Vorstellung von uns. Und kann es nicht sein, dass sie eine falsche Vorstellung von uns haben, weil wir uns keine Mühe geben, unsere Standpunkte zu erklären? Außerdem zeigt sich in der westlichen Welt dieser Hass vor allen Dingen durch Gleichgültigkeit. Einem Großteil der Menschen wird es einfach egal sein, wer wir sind oder was wir glauben, solange wir jeden in Ruhe lassen.

  1. Kein magisches Denken!

Das bedeutet, dass man alles vergeistlicht. Jeder Mensch deutet das Leben irgendwie. Aber wir müssen aufpassen, dass wir damit nicht übertreiben.

„Magisches Denken bedeutet aber auch, allen Dingen und Ereignissen eine „tiefere“ oder „höhere“ Bedeutung zuzusprechen. Fährt einem z.B. morgens der Bus weg, „hat Gott das so eingerichtet“ oder es ist eine „Anfechtung vom Teufel“. Diese Art Interpretation von Umweltereignissen ist stark egozentrisch oder narzistisch geprägt. Alles was geschieht, hat mit der eigenen Person zu tun. Man ist wichtig und Gott lenkt alle Ereignisse um einen herum. Man selbst steht im Zentrum und alles was geschieht, soll einem etwas sagen.“ (http://home.snafu.de/mkrase/Was%20ist%20eine%20Sekte.htm)

Ihr merkt, dass jemand, der so abgeht, zwar versucht, geistlich zu sein. Aber eigentlich hat das nichts mit der Einstellung Jesu zu tun.

Advertisements
    • anonymus
    • 9. Dezember 2009

    Also, wenn Sie die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) als Sekte bezeichnen, ist das schlichtweg gelogen.
    Diese Kirche leugnet nicht einen von den von Ihnen aufgeführten Glaubensgrundsätze.
    Das Oberhaupt dieser Kirche ist Jesus Christus!!!
    Wenn Sie diese Kirche kennen würden, würden Sie sehr schnell feststellen, dass die Mitglieder nicht nur das Evangelium predigen, sondern sich auch daran halten.
    Die Urkirche Jesu Christi ist von ihm selbst durch den Propheten Joseph Smith wiederhergestellt worden. Und ist somit wohl die einzige Kirche auf der Erde, die keine Sekte ist!
    Die Vollmacht kommt direkt vom Herrn, was kein anderer von sich behaupten kann.
    In ihr ist das Priestertum vorhanden, so wie Apostel, Hirten, Lehrer, Siebziger, Diakone, Bischöfe usw. genau gemäß dem Vorbild der Urkirche.
    Ihre Freikirche scheint eine Absplitterung der evangelischen Kirche zu sein, ohne jegliche Vollmacht, die zwar Evangeliumsgrundsätze lehrt (nach menschlichem Gutdünken), ohne Ahnung vom Zweck unsers Dasein und unserer Bestimmung, ohne zu wissen wo wir herkommen, warum wir hier sind und wohin wir gehen.
    Ihre Weisheit ist Menschenphilosophie mit Schriftstellen durchsetzt.
    Eine Gemeinschaft ohne Vollmacht ist nicht von Gott!!!

    • Ich habe mich mit dem Glauben der Mormonen sowohl durch Informationen aus Büchern und dem Internet als auch im persönlichen Gespräch auseinandergesetzt. Diese Kategorisierung ist nicht gelogen, sondern ist der offizielle Standpunkt aus christlicher Sicht. Dass sie das anders sehen, liegt wohl in der Natur der Sache, ist aber auch völlig in Ordnung. Natürlich werden bei Sekten häufig dieselben Begriffe gebraucht, aber anders belegt. Was die zentralen Bibelaussagen angeht, würde ich auf die Glaubensbekenntnisse (z. B. Nizäa) verweisen, um diese weiter auszudefinieren. Manche werden von den Sekten auch nicht geleugnet, sondern erweitert (z. B. Heilige Schrift), was unsere Position unvollständig machen würde.

  1. „n-f“ beantworte Du die Fragen und lass den Leser urteilen.
    „Wer hat Dich eigentlich zu einem Christen gemacht, war es Gott, Jesus Christus,
    oder war es ein Mensch,noch dazu einer,
    der sich selber berufen und ausgebildet hat in dem Buchstaben und Lehre der Bibel?
    Gott zeugt und gebärt seine Kinder und Theologen selber, und das,von Anfang der Menschheit.
    Wie kommst Du dazu, einem Gottes und Christen-
    menschen seinen Kommentar zu Deinem Thema
    zu löschen?
    Hast Du Angst,man könnte feststellen, dass Du selber ein Heuchler und zu einer Sekte gehörst oder noch viel schlimmer,
    zu einer Synagoge/Schule des Satans, wie Christus solche, von IHM nichtlegitimierte Versammlungen nannte. Lese weiter,
    1.Weil Du des Herrn Wort verwirfst, hat Dich Gott auch verworfen!
    2. Wei Du die Kommentare derer, die Dir nicht passen-löschen tust, darum wird Gott auch Deinen Namen, aus dem Lebensbuch des Lammes Jesu Christi löschen!
    Tue Buße und bekehre Dich so, wie Johannes der Täufer und Jesus Christus am Jordan allen Menschen gepredigt hat.
    Matthäus Kapitel 3,und 4,/Lukas Kapitel 7,29-30

    • cool – ich komme in die hölle, weil ich deine kommentare nicht freigeschaltet habe! tatsächlich waren sie automatisch im spam-ordner gelandet. ehrlichkeitshalber muss ich zugeben, dass ich sie auch dahin getan hätte.

    • thomas j. t
    • 29. September 2011

    wie gehe ich mit cc pastoren um die sich gegen mehrere dieser punkte auflehnen?

  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: