Total verdorben…

…der Mensch. So verdorben, dass er nicht auf das Evangelium reagieren kann, ohne dass Gott ihn vorher dazu befähigt hat. So versteht Calvin das Neue Testament. Für ihn war diese Verdorbenheit gleichzustellen mit der Unfähigkeit, heilige Entscheidungen zu treffen. Innerhalb reformierter Kreise findet man verschiedene ‚Levels‘ , was die Schlussfolgerungen aus diesem Dogma angeht. Manche, wie Tim Keller, beschränken sich darauf, Gott als Initiator in der Errettung zu verstehen. Das kann auch einfach nur bedeuten, dass Gott immer den ersten Schritt geht, von uns aber auch einen Schritt (den Vertrauensvorschuss) erwartet. Diese Sichtweise teile ich auch. Andere, wie R. C. Sproul, ziehen die Schlussfolgerung, dass Gott sich ein paar Leute aussucht, die dann wiedergeboren sein lässt, damit sie danach an Jesus glauben können. Meiner Meinung nach eine absurde, alberne und falsche Logik, die aus dem Wunsch, der Bibel und dem Evangelium (nach Calvin) treu zu bleiben, entsprungen sein muss.

Ich glaube, den Wunsch zu verstehen, dem Evangelium der Gnade Gottes treu bleiben zu wollen. Und dazu gehört auch der entschlossene Kampf gegen alle Werksgerechtigkeit. Doch warum verstehen viele Calvinisten die ‚Entscheidung für den Glauben an Jesus‘ als ein gutes Werk (was nicht die Grundlage für unsere Errettung sein kann)? Weil Gott Gott ist und weil Menschen Menschen und gefallen sind, muss Gott der Ursprung und die Grundlage für alle Errettung sein. Im Menschen gibt es nichts Gutes, nichts Geistliches, an das sich Gott wenden, das er ansprechen könnte, um Interesse für das Evangelium zu bewirken. Dem stimme ich zu. Aber muss Gott erst irgendetwas Gutes in den Menschen hineinlegen, bzw. ihn geistlich zum Leben erwecken, bevor er ihn mit seiner Botschaft erreichen kann? Ich glaube nicht. Und der Grund dafür ist ein sehr praktischer:

Warum entscheiden sich Menschen für ein Leben mit Jesus? Welche Motivation findet man – welche nicht? Hier ist mein persönliches Fazit: Die häufigsten Gründe sind Verzweiflung, Frustration, Schuldgefühle, Wunsch nach Glück und Erfüllung, manchmal einfach Neugier. Moralisch bewertet sind diese Gründe im besten Fall einfach im Menschsein begründet – oder, und das ist eigentlich relativ häufig, es sind sogar selbstsüchtige Gründe. Wenn ich mich für Jesus entscheide, weil ich etwas Gutes für mich suche, ist das streng genommen eine egoistische Entscheidung. Und „nichts, was selbstzentriert ist, ist christlich“ (Finney). Es widerspricht eigentlich allen geistlichen Lebensprinzipien. Aber eigentlich sollte man (auf dem Hintergrund der Verderbtheit des Menschen) nichts Anderes erwarten. Ich strecke mich als Sünder zu ihm aus. Weil ich nichts Anderes zu bringen habe. Weil ich mich selber nicht bessern kann. Und ändert sich das im Laufe meines Lebens als Christ? Nicht wirklich. Es bleibt dabei, dass ich mich als Sünder zu ihm ausstrecke, in der Hoffnung auf sein Mitleid, in dem Wissen, dass ich mich nicht selber aus dem Schlamm ziehen kann.

Die einzigen zwei geistlichen Motivatoren für eine Bekehrung wären a) der Wunsch, Gott durch Gehorsam die Ehre zu geben oder b) das Wohl aller Mitmenschen durch die eigene Bekehrung zu suchen. Kennt ihr jemanden, der sich aus diesen Gründen bekehrt hat? Ich auch nicht. Auch hier ist der Grund offensichtlich: diese Motivationen wären geistlich, und sind deswegen von einem fleischlichen, gottlosen Menschen nicht zu erwarten.

Aus dieser Begründung heraus lehne ich das (vielleicht etwas Extremere) Verständnis der völligen Verderbtheit ab. Ich halte es für nicht schriftgemäß (bzw. in Calvins jungem, unreifen Eifer darüber hinausgehend), und auch nicht für notwendig, um an ein Evangelium der Gnade glauben und eine Werksgerechtigkeit auf Seiten des Menschen ablehnen zu können. Natürlich kann sich ein Sünder zu Gott ausstrecken. Aber nicht mit reinen Motiven, oder aus heiligen Gründen. Sondern als Sünder eben.

Smoke

Lord, I have laid my heart upon thy altar

But cannot get the wood to burn;

It hardly flares ere it begins to falter

And to the dark return.

Old sap, or night-fallen dew, makes damp the fuel;

In vain my breath would flame provoke;

Yet see – at every poor attempt’s renewal

To thee ascends the smoke!

‚Tis all I have – smoke, failure, foiled endeavor,

Coldness and doubt and palsied lack:

Such as I have I send thee! – perfect Giver,

Send thou thy lightning back.

(George MacDonald)

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