Ich bin mir sicher.

Ganz sicher. Und ich glaube auch, dass es wichtig ist, diese Gewissheit haben zu können. Dieser Post ist ein Nachtrag zum Vorigen (Ausharren der Heiligen – mal anders), in dem es um die schwierige Dimension ging, welche die calvinistische Prädestinationslehre dem Thema ‚Heilsgewissheit‘ verpasst. Ich weiß nicht, wo John Piper letztendlich steht. Wahrscheinlich gibt es gar keinen Unterschied in unserer Sichtweise. Aber ich weiß, dass mich Calvins Ausführungen (wie im letzten Post zitiert) sehr irritieren, weil ich sie für unbiblisch und nicht Gott gemäß halte.

Für mich steht völlig außer Frage, dass persönliche Gewissheit nicht nur möglich, sondern nötig ist, um als Christ leben zu können. Und dabei geht es nicht darum, es sich auf einer unbegründeten Sicherheit bequem zu machen, nur weil es eben leichter und schöner ist, zu wissen ‚was danach auf mich wartet‘. John Piper schreibt:

„Es gibt einen falschen Glauben, der vorgibt, Jesus zu vertrauen, aber eigentlich nur eine Feuerversicherungspolice ist. Falscher Glaube ‚glaubt‘ nur, um der Hölle zu entkommen. Er hat kein echtes Verlangen nach Christus. Genaugenommen würde er es vorziehen, wenn dieser nicht wiederkäme, um dadurch so viel Zeit wie möglich mit den Vergnügungen der Welt verbringen zu können. Das offenbart ein Herz, das nicht bei Jesus, sondern in der Welt ist. So sieht kein rettender Glaube aus.“

Und da stimme ich ihm völlig zu. Nur „der durch Liebe wirksame Glaube“ (Galater 5,6) ist lebendig und kann retten. Aber es geht auch nicht darum, durch ein Gebet eine Versicherung abzuschließen. Es geht um die Grundlage meiner persönlichen Identität: ‚Wer bist du?‘ ‚Ein angekommenes Kind Gottes.‘ ‚Sicher?‘ ‚Ziemlich…‘ Im Bezug auf die Gottesbeziehung nicht wirklich Gewissheit zu haben, muss einen gläubigen Menschen sehr tief zerrütten.

Was ist das Evangelium wert, wenn ich mir der Erfüllung seiner Verheißung in meinem Leben nicht sicher sein kann? Was ist eine Gotteskindschaft wert, wenn keiner weiß, ob er jetzt wirklich zur Familie gehört? Schlimmer: wenn Gott schon festgelegt hat, wer seine Freunde und wer seine Feinde sein werden, und ich dann nicht mal sicher sein kann, auf welcher Seite ich stehe? Wenn selbst mein Wunsch, Freund Gottes zu sein, nur aus einer gottgewirkten Verirrung entsprungen, und deswegen bloßes Siegel meiner Verlorenheit sein könnte?

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    • Michael
    • 10. März 2010

    Hi, den Glauben, wie John Piper ihn beschreibt, habe ich – irgendwie auch. Ich habe mich jahrelange belogen und nicht wahrhaben wollen, dass es so ist. Aber es ist so. Es ist doch menschlich, dass jeder es sich schoen auf der Erde machen will. Keiner will leiden. Die Frage ist fuer mich: wie bekomme ich so einen Glauben, der rechtmaessig ist, sprich; nicht selbstsuechtig ist. Ich weiss, dass mein Glaube mir schadet und mich innerlich zerfrisst, da ich mir staendig Vorwuerfe deswegen mache und keine Ruhe bekomme. Ich moechte MEnschenbegegen, kann es aber nicht.

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