Steven Milverton kann uns nicht stoppen… ;°)

Vor einigen Wochen gab es einen unsachlichen Beitrag über die Ablehnung unseres Antrags auf Trägerschaft bei der freien Jugendhilfe auf dem Blog von ‚Steven Milverton‘. Um sich über uns lustig zu machen, zog er sich ein Blog-Bild von unserem letzten Jugendeinsatz in Istanbul. Wir baten ihn, dieses Bild runterzunehmen. Der Grund war ganz einfach, dass wir nicht wollen, dass unsere Jugendlichen so zum Spott für Christenhasser werden.

Ich versuchte, einen konstruktiven Dialog mit Steven Milverton zu führen. Leider funktionierte das nicht so richtig. Ich wurde ignoriert, beschimpft und polemisiert. Zugegebenerweise war ich schon ziemlich verärgert, aber ich bin trotzdem drangeblieben. Bis zu dem Punkt, wo die erste positive Diskussion, die sich entwickelte, geblockt wurde. Ihr könnt euch selber ein Bild davon machen, indem ihr euch die Beiträge ‚Lieber Hans!‘ und ‚Evangelikale Methodologie‘ lest. Der Fragesteller (Oliver_HH) in dem ‚Lieber Hans!‘-Beitrag und ich wurden aufgefordert, diese Diskussion nicht-öffentlich (per eMail) weiterzuführen. Da halte ich aber nichts von. Deswegen veröffentliche ich jetzt hier nochmal die Fragen von Oliver aus Hamburg und meine Antwort dazu. Die hatte ich schonmal geschrieben, wurde aber als Comment bei Steven nicht freigegeben. Auch auf Anfrage von Oliver bekam er keine Antwort. Kurz gesagt: alles Gründe, weiter öffentlich darüber zu sprechen!

Hier kommen die Fragen von Oliver:

„Mir geht’s ähnlich wie Steven – ich find’s nicht ganz irrelevant, wer angefangen hat. Und warum sich die Evangelikalen so gern mit Homosexualität beschäftigen, verstehe ich auch nicht. Selbst wenn man die Bibel beim Wort nimmt, wie Sie sagen: Es geht ja nur an ganz wenigen Stellen um Homosexualität. Jesus sagt zu Homosexualität überhaupt nichts (genauso wie zu family values, die man bei den Evangelikalen ja auch gerne hochhält). Mir fällt z.B. auf, dass in den Evangelien sehr oft von Armut die Rede ist: „Wenn Du vollkommen sein willst, geh, verkauf Deinen Besitz und gib das Geld den Armen“ (Mt 19,21). Oder „Weh euch, wenn ihr reich seid, ihr habt keinen Trost zu erwarten (Lk 6,24) und diverse andere Stellen.

Nach meiner Beobachtung werden diese Stellen auch von Christen, die die Bibel sonst gerne wörtlich nehmen (etwa beim Thema Homosexualität), nicht wörtlich befolgt. Mich würde interessieren, wie man es rechtfertigen kann, dieselbe Bibel zu zwei verschiedenen Themen so unterschiedlich zu interpretieren: Wörtlich, wenn es Homosexualität geht, die aber mit einer Ausnahme nur im AT erwähnt wird. Eher symbolisch, wenn es um Themen geht, zu denen sich Jesus selbst geäußert hat (und die er gelebt hat). Auf eine Antwort von Ihnen wäre ich gespannt.“
Als ich schrieb, dass es irrelevant sei, darüber zu streiten, ‚wer angefangen hat‘ (also mit den Vorwürfen bzw. Vorverurteilungen), meinte ich damit nicht, dass es egal sei. Natürlich muss man für ein Schuldeingeständnis bereit sein, um die Fronten aufweichen zu können. Aber: 1) Ich für meinen Teil glaube nicht, den Anfang des Streits kirchengeschichtlich festmachen zu können. Deswegen kann ich eigentlich nicht wirklich helfen, die Antwort auf die Frage zu finden. 2) Außerdem meinte ich irrelevant für diese Diskussion. Also man kann bestimmte Sachverhalte ausdiskutieren, ohne die ‚wer hat angefangen-Frage‘ zuerst geklärt haben zu müssen. Ich für meinen Teil habe bestimmt keinen Streit über Homosexualität vom Zaun gebrochen. Es wurde von den Politikern hier in Siegen thematisiert.
Ich habe in den ganzen Jahren, in denen ich schon regelmäßig mehrmals wöchentlich predige, nur ein einziges Mal über Homosexualität als Thema gepredigt. Bei der Vers-für-Vers Lehre durch das Fünfbuch Mose kam die Sexualmoral natürlich auch das ein oder andere Mal vor. Aber ich predige ca. 90 verschiedene Predigten pro Jahr.  Sexualmoral ist in der Jugendarbeit schon ein wichtiges Thema – Homosexualität war es wie gesagt nur einmal. Und das, weil wir 2-3 homosexuelle Jungs in der Jugendgruppe hatten, und sowohl diese Jungs als auch die anderen in der Jugend fingen an, Fragen zu stellen. Insgesamt ist es in der evangelikalen Welt ein Randthema. Gerade die Homosexuellen selber sind aber dafür sensibilisiert. Deswegen wird es anders wahrgenommen.
Warum sagt Jesus nichts direktes im Bezug auf Homosexualität oder Familienwerte? Aus dem gleichen Grund, warum er nichts (direktes) im Bezug auf verschiedene andere Themen sagt. Er war ein jüdischer Rabbi. In manchen Punkten konfrontierte Jesus die verdrehten Lehren der Theologen seiner Zeit. Ansonsten wird sein Stillschweigen logischerweise als Zustimmung der bestehenden Moral (und dazu gehört auch die Sexualmoral und die Familienwerte) gewertet. Laut der Bergpredigt kam Jesus nicht, um das Gesetz und die Propheten abzuschaffen, sondern zu erfüllen.

Hinter deiner Frage bezüglich Armut/Reichtum steht der Vorwurf des selektiven Literalismus. D. h., man nimmt nur bestimmte Stellen der Bibel in der Auslegung wörtlich, andere nicht. Jeder, der sich mit der Bibel befasst, muss sich natürlich fragen, wie die Bibel verstanden werden soll. Hilfreich sind hier die Fragen nach der Textgattung oder des kulturellen Hintergrunds.  Bibelgelehrte sind sich nicht in Allem einig. Und deswegen muss sich letztendlich jeder selber die Frage stellen: lasse ich die Bibel etwas sagen, was sie eigentlich gar nicht sagt, weil mir die direkten Aussagen zu unbequem sind? Von daher ist deine Frage eine gute und wichtige Frage. Und manche Christen verstehen Jesu Worte im Bezug auf Armut auch wörtlich. Es ist eins der Gelübde vieler Mönchsorden.

Zu den von dir angeführten Stellen: in Matthäus 19 wird im Kontext eine Begegnung zwischen Jesus und dem sogenannten ‚reichen Jüngling‘. Der wollte wissen, was er machen musste, um das ewige Leben zu erlangen. In dem Gespräch mit Jesus wird deutlich, dass es nicht einfach darum geht ‚alles richtig zu machen‘. Es geht um die Frage, was in unserem Leben das Sagen hat. Im Beispiel des reichen Jünglings war es das Geld. Deswegen konfrontiert Jesus ihn in diesem Punkt. Leider war dieser Mann nicht bereit, sich von seinem Geld zu trennen. Es geht in dieser Geschichte nicht darum, Geld/Reichtum per se schlecht zu machen.

Hier der Kontext des von dir zitierten Verses aus Lukas 6:

„Und er hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer. Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr sollt satt werden. Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und euch ausstoßen und schmähen und verwerfen euren Namen als böse um des Menschensohnes willen. Freut euch an jenem Tage und springt vor Freude; denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel. Denn das Gleiche haben ihre Väter den Propheten getan.

Aber dagegen: Weh euch Reichen! Denn ihr habt euren Trost schon gehabt. Weh euch, die ihr jetzt satt seid! Denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht! Denn ihr werdet weinen und klagen. Weh euch, wenn euch jedermann wohlredet! Denn das Gleiche haben ihre Väter den falschen Propheten getan.“

Die überspitzten Darstellungen sind ein rethorisches Mittel, um einen möglichst großen Kontrast zu erzeugen. Das ist keine Ausrede, sondern ein bekanntes Stilmittel der jüdischen Didaktik. Man findet es in der ganzen Bibel sehr häufig. Jesus will weder sagen, dass es geistlicher sei, arm, hungrig, traurig, gehasst, ausgestoßen, geschmäht und verworfen zu sein, noch, dass es ungeistlicher wäre, wenn man reich, satt, fröhlich und beliebt ist. Vielmehr geht es hier darum, darzustellen, dass Glück und Unglück nicht einfach an irdischen Dingen festzumachen sind. Tatsächlich ist es z. B. möglich, finanziell arm aber geistlich reich (bzw. umgekehrt) zu sein.

Auch wenn es manchmal so wahrgenommen wird, fallen die Entscheidungen darüber, wo die Bibel symbolisch spricht und wo nicht, nicht willkürlich. Und wenn es doch geschieht, ist es nicht in Ordnung. Beantwortet das deine Frage?

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    • Alex
    • 3. Januar 2010

    Oh Hilfe diese Gejammer:….jemand kritisiert uns unsachlich, wir fühlen uns so unverstanden, ja falsch
    verstanden…oooooooooooooooooooooch….!!!!!!

    Auch wenns aus der Küchenpsychologie daher kommt, die aggressive Beschäftigung mit bestimmten Themen kommen eben nicht selten von Ängsten im Zusammenhang mit dem Bezug(Homosexualität)….möcht ja nicht wissen, bestimmt selbst alles Schwuchteln….obwohl das eine Beleidigung für jeden aufrechten Homosexuellen wäre….

  1. 10. Januar 2010
  2. 30. Januar 2010

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