Das hier hilft gegen Habsucht.

Einer aus der Volksmenge aber sprach zu ihm: Lehrer, sage meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teile.“ (Lukas 12,13)

Dieser Mann erkannte die Autorität Jesu als Rabbi (Lehrer) an. Er wusste, dass die Menschen auf ihn hörten. Das wollte er ausnutzen. Bei den Juden teilten die Söhne das Erbe unter sich auf, wobei der älteste Bruder einen doppelten Anteil bekam. Was genau in seiner Situation falsch gelaufen war – oder ob überhaupt etwas falsch gelaufen war – ist hier nicht ersichtlich. Aber ganz offensichtlich ging es ihm nicht darum, dass er durch Jesus eine Gottesbeziehung bekommen konnte. Sein Ziel war es, an das Geld zu kommen, das er unbedingt haben wollte. Die Autorität Jesu war für ihn nur ein mögliches Mittel zum Zweck.

Wenn jemand in den Evangelien zu Jesus kommt, und ihn etwas fragt, kann man das eigentlich sehr gut damit vergleichen, wenn heute jemand zu Jesus kommt (im Gebet) und ihn um etwas bittet. Man kann sich also hier jemanden vorstellen, der an die Autorität Jesu appelliert, damit die Erbteilung zu seinen Gunsten ausgeht. Im besten Fall betet er einfach dafür, dass er den Teil abbekommt, der ihm zusteht. Er möchte dieses Geld, und Jesus kann ihm helfen. Denkt er.

Er [Jesus] aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich als Richter oder Erbteiler über euch eingesetzt?“ (14)

Jesus lässt ihn abblitzen. Jesus ist nicht doof. Er lässt sich nicht vor diesen Karren spannen. „Das ist nicht meine Aufgabe. Das ist nicht der Platz, den ich in deinem Leben einnehmen, der Dienst, den ich in deinem Leben tun will. Du bittest den Falschen.“

Er sprach aber zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habsucht! Denn auch wenn jemand Überfluss hat, besteht sein Leben nicht aus seiner Habe.“ (15)

Jesus wendet sich den umstehenden Menschen zu, um sie zu lehren. Der Mann wollte Jesus für seine Zwecke nutzen. Jetzt nutzt Jesus den Mann für seine Zwecke: Als Illustration für seine Kurzandacht. Jesus warnt vor Habsucht, also Materialismus und Geldgier. Habsucht ist das ungezügelte Verlangen nach mehr, neueren und besseren Dingen. Paulus trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er schreibt, dass Habsucht Götzendienst ist (Kolosser 3,5). Nach Luthers Definition mache ich etwas zu meinem Gott, indem ich all meine Hoffnungen darauf setze und alles Gute davon erwarte. Wenn ich habsüchtig bin, hoffe ich, dass Glück, Erfüllung, kurz: Leben, durch Geld und Besitz zunehmen. Aber Jesus lehrt: „der Mensch gewinnt sein Leben nicht aus seinem Besitz, auch wenn der noch so groß ist.“ (Gute Nachricht Übersetzung). Geld und materieller Besitz sind nicht die Quelle des Lebens. Um meine Existenz zu erhalten brauche ich keinen Überfluss. Und selbst wenn ich Überfluss habe, kann dieser mein Leben nicht verlängern.

Alle Menschen werden von einem starken Verlangen nach Leben, nach Glück, nach Erfüllung getrieben. Es geht nicht darum, dieses Verlangen abzustellen. Als wäre es geistlich, diesen Wunsch unerfüllt zu lassen. Unser Problem ist nicht „das Streben nach Glück“. Unser Problem ist der falsche Gott. Weil Gott das weiß, sagt er uns als ersten Grundsatz seiner Anleitung zum Glück: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“

Er sagte aber ein Gleichnis zu ihnen und sprach: Das Land eines reichen Menschen trug viel ein. Und er überlegte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Denn ich habe nicht, wohin ich meine Früchte einsammeln soll. Und er sprach: Dies will ich tun: Ich will meine Scheunen niederreißen und größere bauen und will dahin all mein Korn und meine Güter einsammeln; und ich will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter liegen auf viele Jahre. Ruhe aus, iss, trink, sei fröhlich! Gott aber sprach zu ihm: Du Tor! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Was du aber bereitet hast, für wen wird es sein? So ist, der für sich Schätze sammelt und nicht reich ist im Blick auf Gott.“ (16-21)

Die Sünde des Bauern war nicht sein Reichtum. Es war die Tatsache, dass er seine Sicherheit, seine Erfüllung und seine Freude in seinem Besitz suchte. Deswegen war für ihn viel Besitz = viel Freude, viel Zufriedenheit, viel Ruhe. Sein Scheunenbauen war ein Versuch, sich diese Dinge zu erhalten – zu sichern. Die Scheune war sein Tempel für seinen Gott „Besitz“.

Das Problem mit diesem Gott: er konnte nicht wirklich retten. Deswegen ist er ein falscher Gott, ein falscher Messias. Das wird angesichts des Todes deutlich. Wenn der Tod meine Seele von mir fordert – ist mein Gott dann immer noch da, um mich zu retten? Trägt er mich über die Schwelle des Todes und hinein in die Ewigkeit? Jeder, der das nicht bedenkt, ist (laut Gott) ein Narr. Was für ein Gott ist, das, der mich in der schlimmsten Stunde verlässt?

Ich muss mich fragen, wie ich vor Gott da stehe. Ob ich in seinen Augen ‚reich‘ bin. Was macht einen Menschen reich vor Gott? Was kann ein Mensch besitzen, was ihm nach dem Tod noch bleibt?

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