Archiv für Oktober 2010

Agnostic?

„There is an admirable air of humility about the statement that the truth is much greater than any one person or any one religious tradition can grasp. The statement is no doubt true, but it can be used against the truth when it is used to neutralizie any affirmation of the truth. How does the speaker know that the trutz is so much greater than this particular affirmation of it – for example, that „Jesus Christ is the truth“? What privileged access to reality does he have? In the famous story of the blind men and the elephant, so often quoted in the interests of religious agnosticism, the real point of the story is constantly overlooked. The story is told from the point of view of the king and his courtiers, who are not blind but can see that the blind men are unable to grasp the full reality of the elephant and are only able to get hold of part of the truth. (…) If the king were also blind there would be no story. The story is told by the  king, and it is the immensly arrogant claim of one who sees the full truth which all the world’s religions are only groping after. It embodies the claim to know the full reality which relativizes all the claims of the religions and philosophies.“ (Lesslie Newbigin; The Gospel in a Pluralist Society)

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Talk to yourself.

Have you realized that most of your unhappiness in life is due to the fact that you are listening to yourself instead of talking to yourself? Take those thoughts that come to you the moment you wake up in the morning. You have not originated them but they are talking to you, they bring back the problems of yesterday, etc. Somebody is talking. Who is talking to you? Your self is talking to you. Now this man’s treatment [in this psalm] was this: instead of allowing this self to talk to him, he starts talking to himself. ‘Why art thou cast down, O my soul?’ he asks. His soul had been depressing him, crushing him. So he stands up and says: ‘Self, listen for moment, I will speak to you.’
… This self of ours… has got to be handled. Do not listen to him; turn on him; speak to him; condemn him; upbraid him; exhort him; encourage him; remind him of what you know, instead of listening placidly to him and allowing him to drag you down and depress you. For that is what he will always do if you allow him to be in control. The devil takes hold of self and uses it in order to depress us. We must stand up as this man did and say, “Why art thou cast down? Why are thou disquieted within me? Stop being so! Hope though in God, for I shall yet praise Him…” – Martyn Lloyd-Jones, Spiritual Depression p. 20, 21

Das perfekte Zeugnis.

Am nächsten Tag, als Johannes Jesus auf sich zukommen sah, sagte er: »Seht her! Da ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!Er ist es, von dem ich sagte: `Bald nach mir kommt ein Mann, der größer ist als ich, denn er war da, lange bevor es mich gab.´ Ich kannte ihn nicht. Aber um Israel die Augen für ihn zu öffnen, bin ich gekommen und habe mit Wasser getauft.« Und er fuhr fort: »Ich sah den Heiligen Geist wie eine Taube vom Himmel herabkommen und sich auf ihm niederlassen. Ich kannte ihn nicht, doch Gott, der mir den Auftrag gegeben hat, mit Wasser zu taufen, sagte zu mir: `Der, auf den du den Heiligen Geist herabkommen und sich niederlassen siehst, ist der, den du suchst. Er ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.´ Das habe ich nun gesehen und deshalb bezeuge ich, dass dieser Mann der Sohn Gottes ist.« (Johannes 1,29-34)

Johannes der Täufer war nicht nur eine faszinierende Persönlichkeit, was sein Selbstverständnis und Motivation anging, auch die Art und Weise, wie er Jesus bezeugte war beeindruckend: theologisch vollständig und radikal, doch gleichzeitig persönlich und authentisch. Ein echtes Vorbild für jeden Christen!

1. Theologisch vollständig: Was Johannes hier über Jesus sagt, sind die Grundlagen der christlichen Botschaft – und das, obwohl Jesus gerade erst die Bühne der Öffentlichkeit betreten hatte. Er spricht von Jesus als dem Lamm Gottes (Opfer), dem Gesalbten Gottes (Messias) und dem Sohn Gottes (Gott). Wieviel mehr sollte ich darauf achten, ein vollständiges Bild von Jesus zu zeichnen!

2. Theologisch radikal: Für seine Zuhörer war seine Botschaft radikal und anstößig. Gott hat einen Sohn? Gott wurde Mensch? Ein Mensch als Sündopfer? Vergebung und Gottesbeziehung für alle? Aber gerade diese Punkte machen sein Zeugnis zu einem christlichen Zeugnis. Jeder kann sagen, dass es richtig ist, seinen Mitmenschen zu lieben, gerecht und barmherzig zu sein. Das alleine ist kein christliches Zeugnis. Um Jesus zu bekennen, muss ich – wie Johannes der Täufer – von Jesus als Gottessohn, Menschensohn und Opferlamm sprechen. Egal, ob ich dafür Applaus oder einen Vogel gezeigt bekomme.

3. Persönlich: Obwohl er klare theologische Aussagen macht, bleibt er nicht an dem Punkt stehen, sondern er belegt  diese mit persönlichen Erfahrungen. Gott hatte zu ihm gesprochen und er hatte eine Erscheinung des Heiligen Geistes gesehen. Es war keine intellektuelle Trockenübung gewesen, er war durch seine übernatürlichen Erfahrungen zu seinen Überzeugungen im Bezug auf Jesus gekommen. Bei allem Interesse für theologische Tiefe und Integrität – ich darf meine Erlebnisse mit Jesus nie vergessen. Sie sind ja der Grund dafür, dass ich heute mit Jesus unterwegs bin, und mir überhaupt über die Theorie soviele Gedanken mache.

4. Authentisch: Teil seines persönlichen Zeugnisses ist es, dass er dazu steht, dass er manche Sache erst spät kapierte. Er gibt zu, dass er Jesus (in den hier aufgezählten Eigenschaften) bis zu seinem Erlebnis bei der Taufe nicht wirklich gekannt hatte. Mit Sicherheit kannte er ihn als Mensch – immerhin war er sein Cousin. Aber Gott musste zu ihm sprechen und ihm erst die Augen dafür öffnen, wer Jesus wirklich war. Aus Johannes spricht keine Überlegenheit, sondern Menschlichkeit. Er redet nicht von oben herab, als einer, der alles gecheckt hatte, sondern auf Augenhöhe mit seinen Zuhörern, als einer, der lernen und sich entwickeln musste. Diese Eigenschaft ist unglaublich wichtig und vielleicht sogar der Schlüssel zum Herz der Zuhörer.

Alles in Allem: das perfekte Zeugnis.

Ich taufe nur mit Wasser.

In den Versen 19-23 von Johannes 1 zeigte sich in einem Gespräch zwischen Johannes dem Täufer und den Abgesandten des Hohen Rates, dass Johannes eine gesunde Selbsteinschätzung hatte. Er hielt sich nicht selber für den Christus, nicht mal für einen Christus. Tatsächlich hielt er sich nicht einmal für irgendeine Schlüsselfigur in Gottes Plan für sein Volk. Er sah sich selbst einfach als „Eine Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für das Kommen des Herrn!“ Das war sein Ruf, seine Aufgabe, seine Identität.

„Der Ruf Gottes ist der Ruf, der von seinem Wesen ausgeht. Wo wir dann als Reaktion auf diesen Ruf hingehen, hängt vollständig von den Umständen ab, die Gott in seiner Vorsehung geschaffen hat. Der Ruf Gottes an sich ist kein Ruf zu einem bestimmten Dienst, doch unsere Interpretation von diesem Ruf kann es durchaus sein. Das heißt, durch meinen Kontakt mit dem Wesen Gottes, wird mir klar, was ich für ihn tun kann. Der Ruf zum Dienst ist das Echo meiner Identifizierung mit Gott. Mein Dienst resultiert aus dem, was meinem Wesen entspricht. Gottes Ruf entspricht seinem Wesen, deswegen kann ich seinen Ruf nicht hören, bis ich nicht sein Wesen empfangen habe. Wenn ich sein Wesen empfangen habe, wirken die beiden – mein Wesen und Gottes Wesen – zusammen. Der Sohn Gottes offenbart sich in mir, und ich, der natürliche Mensch, diene dem Sohn Gottes auf gewöhnlichem Wege und aus bloßer Hingabe zu ihm.“ (Oswald Chambers; So send I you)

Durch das, was der Heilige Geist in Johannes getan hatte (seine Salbung), konnte Johannes die Stimme Gottes hören. Es war Gottes Stimme, die in der Wüste rief. Johannes spürte Gott rufen. Er suchte sich nicht einfach etwas aus der Bibel aus, mit dem er sich identifizieren wollte. Gott rief und berief ihn.

In der Geschichte folgt eine weitere Befragung. Diesmal sind es die Abgesandten der Pharisäer, die eine Frage stellen. Es ist eine Frage, die sich logisch aus Johannes‘ bisherigen Antworten ergibt: „Wenn du weder der Christus noch Elia oder der Prophet bist, mit welchem Recht taufst du dann?“ Mit anderen Worten: Du nimmst für dich zwar nicht in Anspruch, etwas Großes und Bedeutendes zu sein, aber dann tust du einen Dienst, der – nach unserem Verständnis – nur von dem Christus, Elia oder dem Propheten getan werden darf: Du taufst Juden! (Die Taufe war eigentlich Teil des Rituals, durch das Nichtjuden zum Judentum konvertierten. Dass Johannes Menschen taufte, die bereits Juden waren, passte zu seiner Botschaft, dass Gottes Volk geistlich und moralisch gesehen so lebte wie die heidnischen Völker. Durch die Taufe identifizierten sich die Menschen mit den Nichtjuden, und bekannten, dass sie – obwohl sie bereits Juden waren – diese Bekehrung nötig hatten – ein radikales Schuldbekenntnis!) Du müsstest eigentlich ein Retter oder Prophet sein, um diesen Dienst überhaupt tun zu dürfen! Wenn du das nicht bist, ist dein Handeln eigentlich anmaßend.

Die Antwort des Johannes ist erstaunlich: „Ich taufe nur mit Wasser, doch hier mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt. Er wird aber schon bald nach mir kommen. Ich bin nicht einmal wert, sein Diener zu sein.“ (Vers 26-27) Der Vorwurf lautete: Du sagst zwar, dass du dich nicht selber für den Christus, oder einen Propheten hältst, aber dann tust du das Werk des Christus. Das passt doch nicht zusammen! Johannes reagiert, indem er klar stellt, dass er keineswegs wortwörtlich ‚das Werk Gottes tut‘. Nicht nur wer er war, auch das was er tat war in seinen Augen nichts Großes. Er taufte nur mit Wasser. Das einzig Große in seinen Augen war Jesus. In drei Aussagen verweist er auf ihn:

  1. „Hier mitten unter euch steht einer, den ihr noch nicht kennt.“ Dieser Satz muss sie dazu gebracht haben, Jesus neugierig zu suchen. Die Aufmerksamkeit wurde auf ihn gelenkt.
  2. „Er wird aber schon bald nach mir kommen.“ Dieser Satz muss sie dazu gebracht haben, Jesus sehnlichst zu erwarten. Die Hoffnungen wurden auf ihn gelenkt.
  3. „Ich bin nicht einmal Wert, sein Diener zu sein.“ (wörtl.: ihm die Sandalen auszuziehen) Dieser Satz muss sie dazu gebracht haben, ehrfürchtig zu Jesus aufzuschauen. Die Anbetung wurde auf ihn gelenkt.

Und Johannes sagte diese Dinge nicht, weil er demütig sein oder einfach das Richtige sagen wollte. Er sagte sie, weil er durchaus zwischen der Person Jesus und sich selbst, zwischen dem Wirken Jesu und seinem eigenen trennen konnte. Ihm waren die natürlichen Grenzen seines eigenen Dienstes bewusst.

Mich beeindruckt dieser einfache Satz: Ich taufe nur mit Wasser. Manche werden denken, dass man sich für eine Art Retter oder Prophet halten muss, oder zumindest als jemanden, der das Werk eines Retters oder Propheten tut, um Gemeindegründer oder Missionar sein zu wollen (Messiaskomplex/Helfersyndrom). Am Beispiel von Johannes dem Täufer wird aber klar, dass diese psychologische Analyse völlig daneben liegen kann, weil sie die geistlichen Dynamiken nicht kennt oder versteht.

Die Erklärung für meine Motivation ist viel simpler: Gott ist Gott und ich bin ich. D. h., nur er kann tun, was er tun kann. Wegen dem, was Gott für mich und in mir getan hat, bin ich dankbar, und möchte deswegen das tun, was seinem Ruf und meiner Persönlichkeit entspricht. Es ist ein ganz  natürlicher übernatürlicher Prozess. Dafür muss ich mich weder für Gott, noch für einen Messias, noch für einen Propheten halten. Ich glaube auch nicht, dass mein Dienst hier in sich selbst Bedeutung haben würde. Ich taufe auch nur mit Wasser.