Ich taufe nur mit Wasser.

In den Versen 19-23 von Johannes 1 zeigte sich in einem Gespräch zwischen Johannes dem Täufer und den Abgesandten des Hohen Rates, dass Johannes eine gesunde Selbsteinschätzung hatte. Er hielt sich nicht selber für den Christus, nicht mal für einen Christus. Tatsächlich hielt er sich nicht einmal für irgendeine Schlüsselfigur in Gottes Plan für sein Volk. Er sah sich selbst einfach als „Eine Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für das Kommen des Herrn!“ Das war sein Ruf, seine Aufgabe, seine Identität.

„Der Ruf Gottes ist der Ruf, der von seinem Wesen ausgeht. Wo wir dann als Reaktion auf diesen Ruf hingehen, hängt vollständig von den Umständen ab, die Gott in seiner Vorsehung geschaffen hat. Der Ruf Gottes an sich ist kein Ruf zu einem bestimmten Dienst, doch unsere Interpretation von diesem Ruf kann es durchaus sein. Das heißt, durch meinen Kontakt mit dem Wesen Gottes, wird mir klar, was ich für ihn tun kann. Der Ruf zum Dienst ist das Echo meiner Identifizierung mit Gott. Mein Dienst resultiert aus dem, was meinem Wesen entspricht. Gottes Ruf entspricht seinem Wesen, deswegen kann ich seinen Ruf nicht hören, bis ich nicht sein Wesen empfangen habe. Wenn ich sein Wesen empfangen habe, wirken die beiden – mein Wesen und Gottes Wesen – zusammen. Der Sohn Gottes offenbart sich in mir, und ich, der natürliche Mensch, diene dem Sohn Gottes auf gewöhnlichem Wege und aus bloßer Hingabe zu ihm.“ (Oswald Chambers; So send I you)

Durch das, was der Heilige Geist in Johannes getan hatte (seine Salbung), konnte Johannes die Stimme Gottes hören. Es war Gottes Stimme, die in der Wüste rief. Johannes spürte Gott rufen. Er suchte sich nicht einfach etwas aus der Bibel aus, mit dem er sich identifizieren wollte. Gott rief und berief ihn.

In der Geschichte folgt eine weitere Befragung. Diesmal sind es die Abgesandten der Pharisäer, die eine Frage stellen. Es ist eine Frage, die sich logisch aus Johannes‘ bisherigen Antworten ergibt: „Wenn du weder der Christus noch Elia oder der Prophet bist, mit welchem Recht taufst du dann?“ Mit anderen Worten: Du nimmst für dich zwar nicht in Anspruch, etwas Großes und Bedeutendes zu sein, aber dann tust du einen Dienst, der – nach unserem Verständnis – nur von dem Christus, Elia oder dem Propheten getan werden darf: Du taufst Juden! (Die Taufe war eigentlich Teil des Rituals, durch das Nichtjuden zum Judentum konvertierten. Dass Johannes Menschen taufte, die bereits Juden waren, passte zu seiner Botschaft, dass Gottes Volk geistlich und moralisch gesehen so lebte wie die heidnischen Völker. Durch die Taufe identifizierten sich die Menschen mit den Nichtjuden, und bekannten, dass sie – obwohl sie bereits Juden waren – diese Bekehrung nötig hatten – ein radikales Schuldbekenntnis!) Du müsstest eigentlich ein Retter oder Prophet sein, um diesen Dienst überhaupt tun zu dürfen! Wenn du das nicht bist, ist dein Handeln eigentlich anmaßend.

Die Antwort des Johannes ist erstaunlich: „Ich taufe nur mit Wasser, doch hier mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt. Er wird aber schon bald nach mir kommen. Ich bin nicht einmal wert, sein Diener zu sein.“ (Vers 26-27) Der Vorwurf lautete: Du sagst zwar, dass du dich nicht selber für den Christus, oder einen Propheten hältst, aber dann tust du das Werk des Christus. Das passt doch nicht zusammen! Johannes reagiert, indem er klar stellt, dass er keineswegs wortwörtlich ‚das Werk Gottes tut‘. Nicht nur wer er war, auch das was er tat war in seinen Augen nichts Großes. Er taufte nur mit Wasser. Das einzig Große in seinen Augen war Jesus. In drei Aussagen verweist er auf ihn:

  1. „Hier mitten unter euch steht einer, den ihr noch nicht kennt.“ Dieser Satz muss sie dazu gebracht haben, Jesus neugierig zu suchen. Die Aufmerksamkeit wurde auf ihn gelenkt.
  2. „Er wird aber schon bald nach mir kommen.“ Dieser Satz muss sie dazu gebracht haben, Jesus sehnlichst zu erwarten. Die Hoffnungen wurden auf ihn gelenkt.
  3. „Ich bin nicht einmal Wert, sein Diener zu sein.“ (wörtl.: ihm die Sandalen auszuziehen) Dieser Satz muss sie dazu gebracht haben, ehrfürchtig zu Jesus aufzuschauen. Die Anbetung wurde auf ihn gelenkt.

Und Johannes sagte diese Dinge nicht, weil er demütig sein oder einfach das Richtige sagen wollte. Er sagte sie, weil er durchaus zwischen der Person Jesus und sich selbst, zwischen dem Wirken Jesu und seinem eigenen trennen konnte. Ihm waren die natürlichen Grenzen seines eigenen Dienstes bewusst.

Mich beeindruckt dieser einfache Satz: Ich taufe nur mit Wasser. Manche werden denken, dass man sich für eine Art Retter oder Prophet halten muss, oder zumindest als jemanden, der das Werk eines Retters oder Propheten tut, um Gemeindegründer oder Missionar sein zu wollen (Messiaskomplex/Helfersyndrom). Am Beispiel von Johannes dem Täufer wird aber klar, dass diese psychologische Analyse völlig daneben liegen kann, weil sie die geistlichen Dynamiken nicht kennt oder versteht.

Die Erklärung für meine Motivation ist viel simpler: Gott ist Gott und ich bin ich. D. h., nur er kann tun, was er tun kann. Wegen dem, was Gott für mich und in mir getan hat, bin ich dankbar, und möchte deswegen das tun, was seinem Ruf und meiner Persönlichkeit entspricht. Es ist ein ganz  natürlicher übernatürlicher Prozess. Dafür muss ich mich weder für Gott, noch für einen Messias, noch für einen Propheten halten. Ich glaube auch nicht, dass mein Dienst hier in sich selbst Bedeutung haben würde. Ich taufe auch nur mit Wasser.

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