Archive for the ‘ Calvinismus ’ Category

Lewis on Calvinism

Found here:

On Calvinism. Both the statement that our final destination is already settled and the view that it still may be either Heaven or Hell, seem to me to imply the ultimate reality of Time, which I don’t believe in. The controversy is one I can’t join on either side for I think that in the real (Timeless) world it is meaningless. (pp. 117-8)

All that Calvinist question—Free-Will and Predestination, is to my mind undiscussable, insoluble. Of course (say us) if a man repents God will accept him. Ah yes, (say they) but the fact of his repenting shows that God has already moved him to do so. This at any rate leaves us with the fact that in any concrete case the question never arrives as a practical one. But I suspect it is really a meaningless question. The difference between Freedom and Necessity is fairly clear on the bodily level: we know the difference between making our teeth chatter on purpose and just finding them chattering with cold. It begins to be less clear when we talk of human love (leaving out the erotic kind). ‘Do I like him because I choose or because I must?’—there are cases where this has an answer, but others where it seems to me to mean nothing. When we carry it up to relations between God and Man, has the distinction perhaps become nonsensical? After all, when we are most free, it is only with a freedom God has given us: and when our will is most influenced by Grace, it is still our will. And if what our will does is not ‘voluntary’, and if ‘voluntary’ does not mean ‘free’, what are we talking about? I’d leave it all alone. (p. 186)

Call me a mad dog.

…from John Wesleys „The Question, „What Is an Arminian?“ Answered by a Lover of Free Grace“:

1. To say, „This man is an Arminian,“ has the same effect on many hearers, as to say, „This is a mad dog.“ It puts them into a fright at once: They run away from him with all speed and diligence; and will hardly stop, unless it be to throw a stone at the dreadful and mischievous animal.

2. The more unintelligible the word is, the better it answers the purpose. Those on whom it is fixed know not what to do: Not understanding what it means, they cannot tell what defence to make, or how to clear themselves from the charge. And it is not easy to remove the prejudice which others have imbibed, who know no more of it, than that it is „something very bad,“ if not „all that is bad!“

3. To clear the meaning, therefore, of this ambiguous term, may be of use to many: To those who so freely pin this name upon others, that they may not say what they do not understand; to those that hear them, that they may be no longer abused by men saying they know not what; and to those upon whom the name is fixed, that they may know how to answer for themselves.

(…)

11. Away, then, with all ambiguity! Away with all expressions which only puzzle the cause! Let honest men speak out, and not play with hard words which they do not understand. And how can any man know what Arminius held, who has never read one page of his writings? Let no man bawl against Arminians, till he knows what the term means; and then he will know that Arminians and Calvinists are just upon a level. And Arminians have as much right to be angry at Calvinists, as Calvinists have to be angry at Arminians. John Calvin was a pious, learned, sensible man; and so was James Harmens. Many Calvinists are pious, learned, sensible men; and so are many Arminians. Only the former hold absolute predestination; the latter, conditional.

12. One word more: Is it not the duty of every Arminian Preacher, First, never, in public or in private, to use the word Calvinist as a term of reproach; seeing it is neither better nor worse than calling names? — a practice no more consistent with good sense or good manners, than it is with Christianity. Secondly. To do all that in him lies to prevent his hearers from doing it, by showing them the sin and folly of it? And is it not equally the duty of every Calvinist Preacher, First, never in public or in private, in preaching or in conversation, to use the word Arminian as a term of reproach? Secondly. To do all that in him lies to prevent his hearers from doing it, by showing them the sin and folly thereof; and that the more earnestly and diligently, if they have been accustomed so to do? perhaps encouraged therein by his own example!

See the whole thing here.

Ich bin mir sicher.

Ganz sicher. Und ich glaube auch, dass es wichtig ist, diese Gewissheit haben zu können. Dieser Post ist ein Nachtrag zum Vorigen (Ausharren der Heiligen – mal anders), in dem es um die schwierige Dimension ging, welche die calvinistische Prädestinationslehre dem Thema ‚Heilsgewissheit‘ verpasst. Ich weiß nicht, wo John Piper letztendlich steht. Wahrscheinlich gibt es gar keinen Unterschied in unserer Sichtweise. Aber ich weiß, dass mich Calvins Ausführungen (wie im letzten Post zitiert) sehr irritieren, weil ich sie für unbiblisch und nicht Gott gemäß halte.

Für mich steht völlig außer Frage, dass persönliche Gewissheit nicht nur möglich, sondern nötig ist, um als Christ leben zu können. Und dabei geht es nicht darum, es sich auf einer unbegründeten Sicherheit bequem zu machen, nur weil es eben leichter und schöner ist, zu wissen ‚was danach auf mich wartet‘. John Piper schreibt:

„Es gibt einen falschen Glauben, der vorgibt, Jesus zu vertrauen, aber eigentlich nur eine Feuerversicherungspolice ist. Falscher Glaube ‚glaubt‘ nur, um der Hölle zu entkommen. Er hat kein echtes Verlangen nach Christus. Genaugenommen würde er es vorziehen, wenn dieser nicht wiederkäme, um dadurch so viel Zeit wie möglich mit den Vergnügungen der Welt verbringen zu können. Das offenbart ein Herz, das nicht bei Jesus, sondern in der Welt ist. So sieht kein rettender Glaube aus.“

Und da stimme ich ihm völlig zu. Nur „der durch Liebe wirksame Glaube“ (Galater 5,6) ist lebendig und kann retten. Aber es geht auch nicht darum, durch ein Gebet eine Versicherung abzuschließen. Es geht um die Grundlage meiner persönlichen Identität: ‚Wer bist du?‘ ‚Ein angekommenes Kind Gottes.‘ ‚Sicher?‘ ‚Ziemlich…‘ Im Bezug auf die Gottesbeziehung nicht wirklich Gewissheit zu haben, muss einen gläubigen Menschen sehr tief zerrütten.

Was ist das Evangelium wert, wenn ich mir der Erfüllung seiner Verheißung in meinem Leben nicht sicher sein kann? Was ist eine Gotteskindschaft wert, wenn keiner weiß, ob er jetzt wirklich zur Familie gehört? Schlimmer: wenn Gott schon festgelegt hat, wer seine Freunde und wer seine Feinde sein werden, und ich dann nicht mal sicher sein kann, auf welcher Seite ich stehe? Wenn selbst mein Wunsch, Freund Gottes zu sein, nur aus einer gottgewirkten Verirrung entsprungen, und deswegen bloßes Siegel meiner Verlorenheit sein könnte?

Ausharren der Heiligen – mal anders

Auf welcher Grundlage kann ich mir als Christ eigentlich sicher sein, dass ich a) wirklich auf dem richtigen Weg bin und b) diesen Weg auch bis zum Ende gehen werde? Welche Grundlagen gibt mir die Schrift? Die Aussagen sind eigentlich klar: Gewissheit kann ich nur haben, wenn ich mich ganz auf Gott – und nicht auf mich selbst – verlasse. In mir gibt es keine stabile Grundlage. Bleibe ich aber durch den Glauben an der Güte Gottes, fühle ich mich in ihm sicher.

Durch die calvinistische Lehre der Prädestination bekommt das Thema Heilsgewissheit aber eine unglaublich schwierige Dimension. Man sollte ja denken, dass der fünfte Punkt ‚das Ausharren der Heiligen‘ einem Christen eine absolut unerschütterliche Gewissheit geben muss. Besagt er doch (stark vereinfacht), dass die von Gott zur Errettung Ausgesuchten es auch bis zum Ende schaffen werden – weil Gott das für sie so entschieden hat.

So heißt es in den Dordrechter Lehrsätzen:

»Dieser Bewahrung der Erwählten zur Seligkeit und der wahrhaft Gläubigen Beharrlichkeit im Glauben können die Gläubigen selbst gewiß sein und sind es nach Maßgabe ihres Glaubens, durch den sie gewiß glauben, daß sie wahre und lebendige Glieder der Kirche seien und bleiben würden, daß sie Vergebung der Sünden und ewiges Leben hätten.«

Mit anderen Worten: jeder Erwählte hat (mehr oder weniger) viel Gewissheit, weil er eben glaubt. Das nennt man einen Zirkelschluss. Du bist dir sicher, dass du ein Gläubiger bist, weil du glaubst. Und in dem Maß, wie du es glaubst, bist du dir sicher. Die Frage ist jetzt natürlich: Was ist, wenn du dir nicht sicher bist? Ist das ein Zeichen für den schwachen Glauben eines Erwählten? Oder ist es ein Hinweis darauf, dass du zu einer ganz besonders bemitleidenswerten Gruppe von Menschen gehörst?

Denn aus der Erfahrung als Christen wissen wir, dass es Leute gibt, die von sich selbst denken, sie wären Christen, sich aber später wieder abwenden, bzw. abfallen. Wie erklärt Calvin in seiner Institio diese Personengruppe? Haltet euch fest:

„Ich gehe sogar noch weiter: da aus der Lehre der Schrift wie auch aus der alltäglichen Erfahrung hervorgeht, daß auch die Verworfenen zuweilen von einem Empfinden der göttlichen Gnade innerlich berührt werden, so muß in ihren Herzen auch notwendig ein gewisses Begehren aufkommen, Gott wiederzulieben. So war in Saul eine Zeitlang eine fromme Regung am Werk, Gott zu lieben, der ihn nach seinem eigenen Erkennen väterlich behandelte, so daß er gewissermaßen von der Süßigkeit solcher göttlichen Güte ergriffen wurde. Aber wie diese Überzeugung von Gottes Liebe bei den Verworfenen nicht bis in die Wurzeln geht, so lieben sie ihn auch nicht wirklich wieder, wie die Kinder, sondern sie lassen sich vielmehr von einer Art Zuneigung leiten, wie sie ein Tagelöhner haben mag! Denn der Geist der Liebe ist allein Christus gegeben, damit er ihn auch in seine Glieder einsenke; nicht über die Schar der Erwählten hinaus gilt auch das Wort des Paulus: „Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den Heiligen Geist, welcher uns gegeben ist“ (Röm. 5,5). Das ist die Liebe, die in uns jene obenerwähnte freudige Zuversicht weckt, Gott anzurufen (Gal. 4,6). (…)

Aber das hindert in keiner Weise, daß jene geringere Wirkung des Heiligen Geistes auch in den Verworfenen ihren Lauf geht. Indes werden die Gläubigen gemahnt, sich gründlich und demütig selbst zu prüfen, damit nicht etwa an Stelle der Gewißheit des Glaubens die fleischliche Sicherheit in ihnen aufkomme! Auch wird den Verworfenen stets bloß ein verworrenes Empfinden der Gnade zuteil: sie erfassen also eher einen Schatten als den wirklichen Körper; denn die Vergebung der Sünden versiegelt der Heilige Geist im eigentlichen Sinne allein in den Erwählten, damit sie sie sich im besonderen Glauben zu ihrem Nutzen zueignen. Trotzdem kann man von den Verworfenen mit Recht sagen, daß sie glauben, Gott sei ihnen gnädig; denn auch sie empfinden die Gabe der Versöhnung, freilich verworren und nicht klar genug. Das bedeutet nicht, daß sie mit den Kindern Gottes einerlei Glauben haben oder gleich ihnen der Wiedergeburt teilhaftig geworden sind; aber sie scheinen unter der Decke der Heuchelei doch mit ihnen den Anfang (principium) des Glaubens gemeinsam zu haben. Ich kann auch nicht leugnen, daß Gott ihr Inneres derart erhellt, daß sie seine Gnade erkennen; aber dieses Empfinden unterscheidet er doch dadurch von dem besonderen Zeugnis, das er seinen Erwählten zuteil werden läßt, daß den Verworfenen die kräftige Wirkung und der Genuß (der Gnade) unbekannt bleibt. Denn ihnen erzeigt sich Gott nicht in dem Sinne gnädig, daß er sie wirklich aus dem Tod herausreißt und sie in seinen Schutz nimmt, sondern er läßt sie allein seine (zeitlich) gegenwärtige Barmherzigkeit erfahren. Allein den Gläubigen aber schenkt er, damit sie bis ans Ende beharren, die lebendige Wurzel des Glaubens. So löst sich der Einwand, wenn Gott einem Menschen wirklich seine Gnade erzeige, dann sei solche Tat von beständiger Festigkeit: es spricht doch nichts dagegen, daß Gott gewisse Menschen mit einem augenblicklichen Empfinden seiner Gnade erleuchtet, das hernach wieder vergeht.“ (Buch III; 2,11-12)

Wie bitte? Gott erhellt manche Verworfene genug, damit sie von sich selbst denken, dass sie Erwählte sind, aber nicht genug, damit sie wirklich gerettet werden? Wie kann ich mir denn sicher sein, dass ich wirklich erwählt bin, und nicht in diese furchtbare Kategorie falle? Trotzdem durchhalten, in der Hoffnung, dass es am Ende keine böse Überraschung gibt?

John Piper gibt zu, dass diese Sicherheit im Bezug auf das eigene Heil nicht wirklich etwas ist, dass man als Christ mit auf den Weg bekommt – vielmehr ist es etwas, dass mit unserer Heiligung wächst. Sein Fazit: zum Kreuz schauen, um Erleuchtung beten, einander lieben. Und auf Gewissheit hoffen.

Ich glaube persönlich auch daran, dass ich mir immer sicherer werde, je näher ich bei Jesus bin. Und genauso andersrum: je weiter ich mich von ihm entferne, desto unsicherer bin ich mir. Der Teufel spielt seine Spielchen mit unserem Kopf, das Herz wird durch den Betrug der Sünde hart. Das ist meiner Meinung nach genau der Punkt, den Petrus in seinem zweiten Brief macht:

„Alles, was zum Leben und zur Frömmigkeit dient, hat uns seine göttliche Kraft geschenkt durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Kraft. Durch sie sind uns die teuren und allergrößten Verheißungen geschenkt, damit ihr dadurch Anteil bekommt an der göttlichen Natur, die ihr entronnen seid der verderblichen Begierde in der Welt. So wendet alle Mühe daran und erweist in eurem Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis und in der Erkenntnis Mäßigkeit und in der Mäßigkeit Geduld und in der Geduld Frömmigkeit und in der Frömmigkeit brüderliche Liebe und in der brüderlichen Liebe die Liebe zu allen Menschen. Denn wenn dies alles reichlich bei euch ist, wird’s euch nicht faul und unfruchtbar sein lassen in der Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus. Wer dies aber nicht hat, der ist blind und tappt im Dunkeln und hat vergessen, dass er rein geworden ist von seinen früheren Sünden. Darum, liebe Brüder, bemüht euch desto mehr, eure Berufung und Erwählung festzumachen. Denn wenn ihr dies tut, werdet ihr nicht straucheln.“ (1,3-10)

Das Problem ist nur, wenn man dann – wie Piper – an die Prädestination glaubt. Ich soll meine Gewissheit aus meinem Glauben ziehen. Aber nicht aus meinem Glauben an meine eigenen Werke, die eine Errettung ‚beweisen‘ würden. Gleichzeitig soll ich mir aber auch nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob ich zu Gottes Erwählten gehöre, weil Gottes Ratschluss in dieser Beziehung unergründlich ist. Und zu all dem kommt (laut Calvin) die theoretische Möglichkeit, zu denen zu gehören, die sich mit Gottes Hilfe selbst etwas vormachen? Kein Wunder, dass Piper dieses theologische Dilemma als ‚quälendes Problem‘ (agonizing problem) bzeichnet…

PS: Bevor ich missverstanden werde: ich glaube wie gesagt nicht daran, dass jemand irgendeine Gewissheit aus dem Sprechen eines Übergabegebets ziehen sollte. Jesus ist meine Gewissheit.

Total verdorben…

…der Mensch. So verdorben, dass er nicht auf das Evangelium reagieren kann, ohne dass Gott ihn vorher dazu befähigt hat. So versteht Calvin das Neue Testament. Für ihn war diese Verdorbenheit gleichzustellen mit der Unfähigkeit, heilige Entscheidungen zu treffen. Innerhalb reformierter Kreise findet man verschiedene ‚Levels‘ , was die Schlussfolgerungen aus diesem Dogma angeht. Manche, wie Tim Keller, beschränken sich darauf, Gott als Initiator in der Errettung zu verstehen. Das kann auch einfach nur bedeuten, dass Gott immer den ersten Schritt geht, von uns aber auch einen Schritt (den Vertrauensvorschuss) erwartet. Diese Sichtweise teile ich auch. Andere, wie R. C. Sproul, ziehen die Schlussfolgerung, dass Gott sich ein paar Leute aussucht, die dann wiedergeboren sein lässt, damit sie danach an Jesus glauben können. Meiner Meinung nach eine absurde, alberne und falsche Logik, die aus dem Wunsch, der Bibel und dem Evangelium (nach Calvin) treu zu bleiben, entsprungen sein muss.

Ich glaube, den Wunsch zu verstehen, dem Evangelium der Gnade Gottes treu bleiben zu wollen. Und dazu gehört auch der entschlossene Kampf gegen alle Werksgerechtigkeit. Doch warum verstehen viele Calvinisten die ‚Entscheidung für den Glauben an Jesus‘ als ein gutes Werk (was nicht die Grundlage für unsere Errettung sein kann)? Weil Gott Gott ist und weil Menschen Menschen und gefallen sind, muss Gott der Ursprung und die Grundlage für alle Errettung sein. Im Menschen gibt es nichts Gutes, nichts Geistliches, an das sich Gott wenden, das er ansprechen könnte, um Interesse für das Evangelium zu bewirken. Dem stimme ich zu. Aber muss Gott erst irgendetwas Gutes in den Menschen hineinlegen, bzw. ihn geistlich zum Leben erwecken, bevor er ihn mit seiner Botschaft erreichen kann? Ich glaube nicht. Und der Grund dafür ist ein sehr praktischer:

Warum entscheiden sich Menschen für ein Leben mit Jesus? Welche Motivation findet man – welche nicht? Hier ist mein persönliches Fazit: Die häufigsten Gründe sind Verzweiflung, Frustration, Schuldgefühle, Wunsch nach Glück und Erfüllung, manchmal einfach Neugier. Moralisch bewertet sind diese Gründe im besten Fall einfach im Menschsein begründet – oder, und das ist eigentlich relativ häufig, es sind sogar selbstsüchtige Gründe. Wenn ich mich für Jesus entscheide, weil ich etwas Gutes für mich suche, ist das streng genommen eine egoistische Entscheidung. Und „nichts, was selbstzentriert ist, ist christlich“ (Finney). Es widerspricht eigentlich allen geistlichen Lebensprinzipien. Aber eigentlich sollte man (auf dem Hintergrund der Verderbtheit des Menschen) nichts Anderes erwarten. Ich strecke mich als Sünder zu ihm aus. Weil ich nichts Anderes zu bringen habe. Weil ich mich selber nicht bessern kann. Und ändert sich das im Laufe meines Lebens als Christ? Nicht wirklich. Es bleibt dabei, dass ich mich als Sünder zu ihm ausstrecke, in der Hoffnung auf sein Mitleid, in dem Wissen, dass ich mich nicht selber aus dem Schlamm ziehen kann.

Die einzigen zwei geistlichen Motivatoren für eine Bekehrung wären a) der Wunsch, Gott durch Gehorsam die Ehre zu geben oder b) das Wohl aller Mitmenschen durch die eigene Bekehrung zu suchen. Kennt ihr jemanden, der sich aus diesen Gründen bekehrt hat? Ich auch nicht. Auch hier ist der Grund offensichtlich: diese Motivationen wären geistlich, und sind deswegen von einem fleischlichen, gottlosen Menschen nicht zu erwarten.

Aus dieser Begründung heraus lehne ich das (vielleicht etwas Extremere) Verständnis der völligen Verderbtheit ab. Ich halte es für nicht schriftgemäß (bzw. in Calvins jungem, unreifen Eifer darüber hinausgehend), und auch nicht für notwendig, um an ein Evangelium der Gnade glauben und eine Werksgerechtigkeit auf Seiten des Menschen ablehnen zu können. Natürlich kann sich ein Sünder zu Gott ausstrecken. Aber nicht mit reinen Motiven, oder aus heiligen Gründen. Sondern als Sünder eben.

Smoke

Lord, I have laid my heart upon thy altar

But cannot get the wood to burn;

It hardly flares ere it begins to falter

And to the dark return.

Old sap, or night-fallen dew, makes damp the fuel;

In vain my breath would flame provoke;

Yet see – at every poor attempt’s renewal

To thee ascends the smoke!

‚Tis all I have – smoke, failure, foiled endeavor,

Coldness and doubt and palsied lack:

Such as I have I send thee! – perfect Giver,

Send thou thy lightning back.

(George MacDonald)

Gedanken über Prädestination im Calvin-Jahr

Ich lese im Moment das erste Buch von Calvins Institutio. Die ersten 15 Kapitel gefielen mir eigentlich sehr gut. Das Meiste gehört in die Kategorie ‚basic christian doctrine‘. Dabei stellt er seinen Standpunkt (den biblischen Standpunkt) allerdings manchmal – für meinen Geschmack zu häufig – vor Allem durch Abgrenzung zu bestimmten ‚Irrlehrern‘ dar. Obwohl ich ihm inhaltlich (in den ersten 15 Kapiteln) oft zustimme, finde ich seine Argumentation manchmal enttäuschend. In einigen Fällen findet man mehr Polemik als hammerharte Herleitungen aus der Bibel. …aber vielleicht liegt das Alles auch an der Zeit, in der er das Werk verfasste.

Passend dazu, dass ich mich jetzt den letzten 3 Kapiteln dieses Buches widmen darf, hatte ich vor Kurzem ein gutes Gespräch über die Prädestinationslehre. Und jetzt dachte ich, dass ich einige Gedanken dazu mal – passend zum Calvin-Jahr – veröffentlichen könnte…

Wenn es keinen stört, würde ich die Prädestination mal auf ein verbraucherfreundliches ‚Die Lehre, dass Gott uns erwählt hat, bevor wir ihn erwählen konnten.‘ runterreduzieren. Weil Gott ja aktiv, lenkend, steuernd hinter absolut allem steht, was im Universum geschieht, und es dabei, so Calvins Standpunkt, keinen Zufall gibt, steht er auch aktiv, lenkend und steuernd hinter meiner Hinwendung zu ihm.

Seine Argumentation halte ich für relativ schwach. Er führt eigentlich hauptsächlich poetische Aussagen aus den Psalmen an, oder nimmt Beispiele von Gottes spezifischem Eingreifen für sein Volk. Dann fügt er aber hinzu, dass man eben nicht denken soll, dass es sich dabei nur um besondere Einzelfälle handelt. Darüber, wie regulierend Gott die Abläufe der Welt regiert gibt es in der Bibel meines Erachtens nach keine konkreten Angaben. Auch halte ich von Gott eingebaute Freiräume weder für einen Widerspruch seiner Regentschaft, noch schmälert es seine Ehre. (Dave Guzik’s Kommentar zu der Aussage, dass Gott nach dieser Lehre die meiste Ehre bekommt: „Says who?“)

Natürlich ist es eine klare Aussage der Bibel, dass Gott uns vor Grundlegung der Welt erwählt hat. Allerdings ergibt sich beim Nachdenken folgendes Problem: Durch dieses Statement versuche ich, den ewigen Gott (der außerhalb von Raum und Zeit ist, sich aber innerhalb von Raum und Zeit manifestiert) mit einem irdischen Maßstab zu messen. Ich mache Zeitangaben über die Ewigkeit. Prä-was? ist eine gute Frage, wenn man sie außerhalb des Raum/Zeit Kontinuums stellt. Es gibt kein Vorher, Nachher, Jetzt und Gleich in der Ewigkeit. Es gibt nur ein ewiges Jetzt, den ewigen Moment, weil Gott der ewig Seiende, der‘ Ich bin‘ ist. Von daher kann ich zwar versuchen, Gottes rettendes Handeln an menschlichen Maßstäben festzumachen, aber eigentlich liegt es in der Natur der Sache, dass ich dabei scheitern muss. Ich kann höchstens Aussagen darüber treffen, wie ich sein Handeln erlebe. Menschlich gesehen kann ich natürlich sagen, dass Gott sich zuerst für mich entschieden hat. Aber ich kann nicht sagen, dass sich Gott erst für mich entschieden und dann die Welt erschaffen hat – im Sinne eines zeitlichen Ablaufs. Wie aber kann man dann die biblischen Aussagen verstehen?

1. Man muss begreifen, dass alle irdischen Konzepte nur bis zu einem bestimmten Punkt die Wahrheit umreißen können. Irgendwann reichen menschliche Worte und der menschliche Verstand nicht mehr aus. Das gilt allgemein für die Ewigkeit, und damit auch für Gottes ewigen Ratschluss. Die falsche Frage ist: Wann hat Gott seinen ewigen Ratschluss geschlossen? Calvin zitiert selbst die Verse aus dem Römerbrief, in denen Paulus zu demselben Ergebnis kommt:

„O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen«? (Jesaja 40,13) Oder »wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass Gott es ihm vergelten müsste«? (Hiob 41,3). (Römer 11,33-35; LUT)

Aber dann macht er den großen Fehler, diese Frage zu beantworten, indem er (im Prinzip) sagt: ‚Wir. Wir als Gläubige haben durch Gottes Geist die Fähigkeit, diese Geheimnisse zu verstehen.‘ Nun, ich glaube nicht, dass es das war, worauf Paulus hinauswollte…!

„Es ist wahr: Gesetz und Evangelium enthalten Geheimnisse, die weit über unser Verstehen hinausgehen. Aber Gott erleutet das Herz der Seinen mit dem Geiste der Erkenntnis, um diese Geheiminisse zu fassen, die er in seinem Worte zu offenbaren für gut befunden hat; und darum ist hier kein Abgrund mehr, sondern ein Weg auf dem man sicher gehen kann…“ (Calvin)

Der ‚Abgrund‘ beginnt für Calvin erst an dem Punkt, wenn man fragt, warum Gott dann alles so lenkt, wie er es tut. Also von meinem Lesen der Bibel würde ich sagen, dass unser Verstand sich immer dann ausklinkt, wenn das Göttliche und Menschliche zusammenkommen. War Jesus Gott oder Mensch? Geschieht Heiligung durch Gottes Handeln oder durch menschliche Anstrengung? Und dann eben auch: Ist die Errettung Gottes oder Menschenwerk? Die Antworten sind immer ‚Ja‘. Wie? Da beginnt der Abgrund.

2. Die ‚Erwählung‘ ist nicht etwas, das Gott tut, sondern ein Ausdruck dessen, was/wer er ist. Paulus macht deutlich, dass Gott will, dass alle Menschen gerettet werden. Das liegt daran, dass er Errettung ist. Er bringt Errettung, er rettet, indem er sich selbst gibt, indem er selbst in unsere Leben kommt. Er ist die Errettung. Gottes Entscheidung für die Menschen ist sein ewiger Wille, dass alle Menschen gerettet werden. Es gab keinen ‚Zeitpunkt in der Ewigkeit‘ an dem er das nicht wollte. Weil er Liebe ist. Lieben ist nicht etwas, das Gott in manchen Fällen tut, in anderen nicht. „Gott ist Liebe.“ Diese ewige Liebe, die sich für alle Menschen entschieden hat (und auch nicht anders kann), ist in Jesus Christus zu uns gekommen. Weil er schon immer Liebe gewesen ist, gab es keine Entscheidung für die Einen oder gegen die Anderen. Der Ball liegt jetzt in unserem Spielfeld.

Was ich nicht nachvollziehen kann, sind die Diskussionen über einfache bzw. doppelte Prädestination. Die Idee, dass Gott sich für die Einen entscheiden kann, ohne sich letztendlich gegen alle Anderen entscheidet, ist für mich ein albernes Hirngespinst, dass Theologen sich ausgedacht haben, um Gott nicht allzu grausam da stehen zu lassen. George MacDonald soll geweint haben, als er zum ersten Mal die Lehre von der Prädestination hörte – so furchtbar war ihm diese Vorstellung. Jede Entscheidung für eine Sache ist eine Entscheidung gegen eine andere Sache bzw. Person. Tatsächlicher ist es sogar so, dass, je inniger meine Entscheidung für den Einen, desto heftiger und entschlossener meine Entscheidung gegen alle Anderen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Wahl eines Ehepartners. Mit meiner Entscheidung für Luci habe ich mich für immer gegen alle anderen Frauen entschieden. Und Luci ist als meine Frau dazu prädestiniert, die Vorzüge und Nachteile eines Zusammenlebens mit mir zu erleben… ABER: Sie hätte auch Nein sagen können. Dann wäre sie dazu prädestiniert gewesen, zu denen zu gehören, die nicht meine Ehefrauen sind. Dann hätte sie nie erlebt, wie es ist, meine Frau zu sein.

„Und er ging auf einen Berg und rief zu sich, welche er wollte, und die gingen hin zu ihm.“ (Markus 3,13; LUT) Später würde Jesus zu ihnen sagen: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er’s euch gebe.“ (Johannes 15,16; LUT) Die Jünger hatten sich nicht einfach irgendeinen Rabbi ausgesucht, wie es vielleicht sonst üblich gewesen war. Jesus war zu ihnen gekommen und hatte sie in die Nachfolge berufen. Dass diese Erwählung ’nur‘ ein Privilieg, eine Bestimmung ist, sieht man an der Tatsache, dass Judas mit von der Partie war. Auch zu ihm sprach Jesus diese Worte. Auch er war zu einem spezifischen Ziel erwählt worden. „Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht euch Zwölf erwählt? Und einer von euch ist ein Teufel. Er redete aber von Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Der verriet ihn hernach und war einer der Zwölf.“ (Johannes 6,70-71; LUT) Das sehe ich als einen Schlüssel für all die Stellen, an denen davon die Rede ist, dass eine Personengruppe von Gott für einen bestimmten Zweck erwählt worden ist.

Wenn im NT von Erwählung die Rede ist, geht es eigentlich immer um die Berufung der Gemeinde als Ganzes. Die Gemeinde besteht allerdings nicht nur aus Leuten, die wirklich zur unsichtbaren Gemeinde Jesu gehören! Trotzdem sind alle dazu aufgerufen „ihre Berufung und Erwählung festzumachen“. Ansonsten geht es darum, dass bestimmte Leute einen bestimmten Dienst von Gott bekommen. Deswegen glaube ich, dass es bei der Berufung um eine Bestimmung geht, die in Gott festgelegt ist. Ich bin z. B. als Ehemann dazu berufen, meine Frau zu lieben. Das heißt aber nicht notwendigerweise, dass ich es automatisch muss, will oder werde.

In Calvins Institutio geht es in Buch 1, Kapitel 17, mit praktischen Anwendungen dieser Lehre weiter. Um es kurz zu machen: man muss Gottes Handeln und Herrschen nicht in dem Maße als Regulieren verstehen wie Calvin es tut, um die Anwendungen ziehen zu können. Auch wenn Calvin das nicht nur behauptet, sondern auch noch alle, die seine extreme Sichtweise ablehnen, aufs übelste beschimpft (Ich bin ein kläffender Hund und speie gegen den Himmel…). Polemisch tut er so, als gäbe es nur seine Sichtweise oder den Deismus a la Leibniz. Und seine Sichtweise ist natürlich die klare, reine Lehre der Bibel… Polemik hin oder her – so zu tun, als gäbe es nur diese zwei Extreme ist schlichtweg falsch. Deswegen stört mich diese Argumentation.

Kapitel 18 finde ich ebenso irritierend (und: Nein, das liegt nicht daran, dass ich gottlos bin, oder die wunderbare Weisheit Gottes nicht verstehe.). Die Überschrift des ersten Teils fasst die Grundaussage ganz gut zusammen: ‚Gott bedient sich auch der Taten der Gottlosen und lenkt ihre Gedanken, um seine Gerichte zu vollstrecken; aber er selbst bleibt dabei von jeglichem Vorwurf frei.‘ Seine Ansicht geht dabei weit darüber hinaus, dass Gott dem Bösen Freiraum gewährt (in dem es tun kann, was es selbst will) um es aber für sich arbeiten zu lassen. Letztendlich kommen auch die bösen Gedanken und Absichten von Gott – er verursacht ja alles – aber trotzdem behält er eine reine Weste. Wie das sein kann? Meiner Meinung nach bleibt Calvin diese Antwort schuldig. Er nimmt sogar das Beispiel Hiobs, in dem es keineswegs aus der Geschichte hervorgeht, dass Gott den Teufel ’schickt‘ oder ‚inspiriert‘. Im Gegenteil: der Teufel kommt mit seinen eigenen bösen Absichten vor Gott, und Gott lässt ihn gewähren. Der Teufel tut, was er will, er bekommt (bis zu einem gewissen Punkt) freie Hand. Gott steckt die Grenzen des freien Willens klar ab. Er lässt den Teufel für sich arbeiten. Dazu muss er ihm nur Freiraum geben. Der Grund, warum Calvin Gott in dieser Geschichte doch das aktive Verursachen in die Schuhe schiebt, ist Hiobs Aussage: „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen…“. Diese beschreibt doch ganz klar einfach nur Hiobs Perspektive: egal, was Gott in meinem Leben tut (und sei es, indem er etwas geschehen lässt), er steht über allem und arbeitet auf ein bestimmtes Ziel zu. Dazu muss er nicht aktiv hinter dem Teufel stehen und ihn schicken. Auch wenn das aus menschlicher Perspektive keinen großen Unterschied macht… Ich mag den Vergleich zwischen dem Teufel und einem bösartigen Hund an einer Kette. Der gute Hundebesitzer kann dem bösen Hund ein bisschen Freiraum geben, um es zum Guten einzusetzen.

So, das reicht erstmal…