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So viele Menschen wie möglich.

Mein Kollege und Freund Wolfgang Jung, Pastor in der Calvary Chapel Freier Grund, hat auf seinem Blog einen Eintrag zu der Frage ‚So viele Menschen wie möglich – oder alle Volksgruppen?‚ veröffentlicht. Inspiriert ist sein Artikel von einer Predigt von David Platt. In seinem Artikel schreibt er, es sei Ungehorsam gegenüber Gottes Wort, wenn wir die Enden der Stadt den Enden der Erde vorziehen. Ich teile weder seine Definition ‚unerreicht‘, noch seine Definition von ‚Volksgruppe‘. Zu diesem Artikel hier mein Kommentar:

1 – Deine Sichtweise unterschätzt die große Kluft innerhalb der Subkulturen innerhalb einer Nation. Zu sagen, dass ‚Deutschland‘ erreicht ist, impliziert, dass es eine suprakulturelle Ebene gibt, auf der man das Evangelium kommunizieren könnte, oder dass es ‚die Deutschen‘ gibt – eine realitätsferne Vorstellung. Tatsächlich gibt es Milieus, Kulturen und Subkulturen in Deutschland, denen das Evangelium noch nicht tatsächlich kommuniziert worden ist. Deine bzw. Platt’s Definition von ‚Volksgruppe‘ ist viel zu theoretisch und konservativ. Wie wäre es denn z. B. mit der Sprachgruppe ‚kiezdeutsch‘? Ist die schon erreicht?

2 – Gott wird die Menschen als Einzelpersonen richten, nicht nach Volkszugehörigkeit (hier Bibelverse anzuführen wäre albern, es gibt so viele…). Das zeichnete sich im Alten Testament schon ab, aber im Neuen ist es ausdrücklich (siehe z. B. Paulus‘ Definition vom ‚wahren Juden‘ im Römerbrief). Vor Allem bin ich dankbar, dass Gott mit Sicherheit nicht anhand von statistischen Angaben und einer theoretischen Möglichkeit beurteilen wird. Ich empfinde diese Art von Denken als entmenschlicht und mechanisch. Die Verantwortung vor Gott ist nicht an nationale Zugehörigkeit sondern an die persönlichste aller Entscheidungen und an einen Lebensweg geknüpft.

3 – Das Gleiche gilt für Jüngerschaft. Einen Menschen als ‚erreicht‘ zu betrachten, wenn er das Evangelium mal gehört hat, greift meiner Meinung nach nicht weit genug. Selbst wenn er ‚eine Entscheidung für Jesus trifft‘, fängt die Aufgabe des Missionsbefehls erst an. Wir sammeln ja nicht einmalige Entscheidungen für Jesus, sondern sollen Menschen zu Jüngern machen. Nach deiner Definition kann man also eine Nation zu einem Jesusnachfolger machen, indem man in ihr ein Zeugnis für das Evangelium installiert, sie also nach einer statistischen Definition als ‚erreicht‘ gilt? Wie soll man denn eine Volksgruppe als Kollektiv taufen? Der Missionsbefehl zielt ganz klar darauf ab, Einzelpersonen zu erreichen und sie zu Jüngern zu machen. Das beinhaltet das Taufen, also das Hinzufügen zu einer anbetenden Gemeinschaft. Eine Nation kann man nicht taufen, und ihr nicht beibringen, als Christ zu leben. Deswegen kann man auch nicht einer Nation generisch das Evangelium predigen.

4 – Wenn Christsein etwas mit Gemeindezugehörigkeit – und nicht nur mit einem Ticket zum Himmel – zu tun hat, müsste es genügend Platz in Kirchen und Gemeinden geben, um alle Menschen zu fassen, bzw. die Strukturen dazu geben (es sei denn, man übernimmt den Ansatz der ‚organic church‘). Da sind wir, insbesondere in den Großstädten noch weit von entfernt. Wie viele Gemeinden sollte es z. B. in einer Großstadt wie Berlin geben, damit alle Menschen tatsächlich eine Chance haben, Christen zu sein? Und wesentlich größere Megastädte sprießen wie Pilze aus dem Boden.

5 – Was ist mit anderen Konfessionen? Ist ein katholisches oder orthodoxes Land unerreicht, weil es weniger als 2% Evangelikale hat? ‚Mit dem Evangelium erreicht‘ ist also ‚von uns erreicht‘?

6 – Besonders schwierig finde ich es, wenn wir für andere Volksgruppen entscheiden, ab wann wir sie für erreicht halten. Das ist ethnozentrisch und bevormundend.

7 – Was wäre, wenn ‚die Enden der Erde‘ nicht mehr geographisch weit weg sind, sondern in der Großstadt ein Haus weiter wohnen?

8 – Und glaubst du wirklich, dass Jesus sich bei seinem Timing für seine Wiederkunft nach evangelikalen Statistiken richten wird?

Ich gehe mal stark davon aus, dass Platt als Neo-Calvinist Post- oder Amilleniarist ist, und deswegen diese Sichtweise vertritt. Darf ich dich auch da einordnen?

Der ewige Neuanfang

Das Reich Gottes besteht nicht aus Regeln, sondern Friede, Freude und Gerechtigkeit. Nicht bloß aus Worten, sondern aus lebensverändernder Kraft. Jesus nennt es ‚ewiges Leben‘, und meint damit nicht die Länge, sondern die göttliche Qualität. Es ist ein Stück Himmel auf Erden. Jesus ist gekommen um durch seinen Tod den Himmel in diese Welt hineinzupflanzen. Unscheinbar wie ein Senf- oder ein Weizenkorn hat alles begonnen – aber daraus ist ein Riesen-Baum gewachsen. Groß genug, dass sich alle möglichen Vögel in seinen Zweigen einnisten konnten…

In einem nächtlichen Gespräch mit einem jüdischen Theologen, der durchaus die göttliche Bestätigung auf dem Leben von Jesus anerkannte, kommt im Johannesevangelium, Kapitel 3, Vers 3 dieser interessante Satz vor: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen (sehen = Hebraismus: erleben). Du musst nochmal geboren werden. Aber was genau meint Jesus mit dieser Metapher? Eine neue Geburt ist ein totaler Neuanfang. Der neugeborene Mensch ist fleischgewordene Abhängigkeit – aber auch instinktives Vertrauen.

Aus den weiteren Erklärungen wird deutlich, dass diese Neugeburt etwas ist, was Gott der Heilige Geist hier auf der Erde tut. Es ist göttlichen Ursprungs. Was möchte Jesus mit dieser rätselhaften Aussage bewirken? Ich glaube, er will Nikodemus dahin bringen, seine Abhängigkeit vom Lebensspender zu realisieren. Zu sagen: ‚Du musst nochmal geboren werden‘ ist ja nichts, was man dann einfach praktisch umsetzen könnte. Eine zweite Geburt kann man genauso wenig beeinflussen wie man sich das geboren Werden als Mensch nicht aussuchen konnte.

Ähnlich die zweite Metapher: Der Wind weht wo er will, aber du kannst nicht sagen, woher er kommt oder wohin er geht. Du kannst ihn nur hören, aber nicht steuern. Der Baum kann seine Äste und Zweige nicht bewegen, wann er es gerade möchte. Wenn der Wind nicht weht, bewegt sich nichts.

In der evangelikalen Tradition legen wir diesen Text eigentlich immer dahingehend aus, dass es zwei Gruppen von Menschen gibt: die Wiedergeborenen, die an einem Punkt von Gott lebendiggemacht, bewegt wurden, und seitdem das Reich Gottes erleben können, und die Nicht-Wiedergeborenen, die diese Erfahrung noch suchen müssen.

Ich würde diese Sichtweise gerne etwas erweitern. Für mich sind die Worte von Jesus hier auch eine Anleitung für das tägliche, geistliche Leben. Es geht nicht nur um die Qualifikation für ein einmaliges Betreten des himmlischen Reiches, sondern soll uns eine allgemeine, geistliche Wahrheit lehren. Wie kann ich täglich das Reich Gottes erleben? Die Antwort aus dem Text: ich kann es nicht selbst steuern oder beeinflussen. Ich muss anerkennen, dass göttliches, ewiges Leben mir von außerhalb gespendet werden muss. Ich bin brauche den Wind (= Geist, Atem) Gottes, der mich bewegt. Ich muss alle Erfahrungen, alles Wissen und alle Sünden jeden Tag wieder neu hinter mir zurücklassen. Jeder Tag ist für mich Tag Null. Der ewige Neuanfang.

Kann ich denn gar nichts machen? Doch: diesen Worten glauben. In den anschließenden Versen 14-15 heißt es dann: „Mose richtete in der Wüste den Pfahl mit der bronzenen Schlange auf. Genauso muss auch der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die sich im Glauben ihm zuwenden, durch ihn ewiges Leben bekommen.“ (GNB)

Damit knüpft er an eine Geschichte aus dem Alten Testament an (4. Mose 21), die jeder Mal für sich selbst lesen sollte. Jesus sagt Nikodemus: ich werde an einem Kreuz ‚erhöht‘ werden. Wer dann zu mir aufblickt, und glaubt, wird das ewige Leben schmecken. Der Wind weht zwar wann und wo er will. Aber Jesus zeigt uns doch, von wo er weht: vom Kreuz. Dahin muss ich schauen, glauben und warten. Täglich. Das ist das einzige Gegenmittel für die verschiedenen Gifte, die ich täglich (gewollt oder ungewollt) in mich aufnehme. Leben kommt von ihm.

„Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab. Nun werden alle, die sich auf den Sohn Gottes verlassen, nicht zugrunde gehen, sondern ewig leben.“

Ein toter Hund am Tisch des Königs

Gerade habe ich 2. Samuel 9 gelesen, und bin berührt, was für eine tolle Illustration diese Geschichte ist. Es ist das Evangelium, die gute Nachricht von Gottes Liebe, die in diesem Kapitel sichtbar wird. Eine Liebe, die sich an uns erinnert, die uns zu sich holt, die uns beschenkt und die uns adelt.

Verse 1-6: König David erinnert sich daran, dass er seinem – inzwischen verstorbenen – besten Freund, Prinz Jonathan, etwas versprochen hatte: Er hatte versprochen, dessen Familie nicht zu vergessen und ihnen Gutes zu tun. Er lässt Mefi-Boschet suchen und lässt ihn zu sich bringen. Mefi-Boschet ist an beiden Beinen gelähmt. Als Enkel des Königs Saul wäre er eigentlich – da Saul und dessen Sohn Jonathan in der Schlacht gefallen waren – Thronanwärter gewesen. Doch aufgrund der veränderten Lage war ihm nichts geblieben. Genauso erinnert sich König Jesus auch an diejenigen, die verachtet, hilfsbedürftig und vergessen waren. Er erinnert sich an sein Versprechen, und will ihnen in Gottes Namen Gutes tun. Jesus kam, um das Verlorne zu suchen  und zu retten. Er kam nicht für die Gesunden und Starken, sondern für die Kranken und Schwachen. Gott hat dich nicht vergessen.

Vers 7: König David gibt Mefi-Boschet allen Besitz wieder, der seinem Großvater, König Saul, einmal gehört hatte. Doch damit nicht genug: Er besteht darauf, dass Mefi-Boschet von nun an immer mit ihm essen sollte. Er gibt ihm den Platz, den er verloren hatte, wieder. So auch Jesus: er gibt das verlorene Erbe wieder zurück. Er stellt uns wieder her, und beschenkt uns.  Er lädt uns zu seinem königlichen Tisch ein, will uns bei sich haben.

Vers 8: „Diejenigen, welche wissen, dass sie Freundlichkeit am Wenigsten verdient haben, wissen sie am Meisten zu schätzen.“ Mefi-Boschet, eben noch irgendwo im Exil auf dem Land, ohne Besitz, wird auf einen Schlag zu einem reichen Königssohn. Überwältigt von dieser Freundlichkeit wirft er sich zu Boden nieder und bekennt seine Unwürdigkeit. Wem bewusst ist, wir arm und vergessen er ohne Jesus war, der wird ebenfalls den König dankbar und voller Freude anbeten.

Verse 9-10: König David weiß, dass Mefi-Boschet aufgrund seiner Behinderung weiterhin auf Hilfe angewiesen war. Deswegen stellt er ihm Diener zur Seite, die ihm helfen, sein Land zu bebauen. Auch König Jesus weiß, dass wir trotz Allem unfähig sind, und Hilfe und Dienst nötig haben. Seine zu uns gesandten Diener/Helfer (Engel, Menschen, Sakramente, den Heiligen Geist,…) machen es uns möglich, das Leben, das er für uns vorbereitet hat, ganz auszukosten.

Verse 11-13: Für König David war die Einladung zu den gemeinsamen Mahlzeiten keine höfliche Floskel. Er adoptierte Mefi-Boschet sozusagen in seine Familie, behandelte ihn wie einen Sohn. Genau das ist auch die Verheißung des Evangeliums: Gott will uns nicht nur Gutes tun und uns segnen – er nimmt uns in seine Familie, in sein Haus auf. Wie Mefi-Boschet an König Davids Tisch können wir täglich am reich gedeckten Tisch des himmlischen Königs sitzen. Seine Liebe adelt uns.

tauwetter

klirrend kalte, kurze, klare tage

haben etwas erfrischend reines

sind erhebend

aber auf dauer einsam

 

dunkelheit, stille, frost

haben etwas seltsam schönes

sind geheimnisvoll

aber auf dauer verhängnisvoll

 

kamst du zu mir, du schlange?

war es dein unerwarteter biss?

oder streckte sich meine verzweifelte hand

freiwillig nach diesem betörenden kelch aus?

 

der tod, den du bringst, kommt schleichend

das gift der melancholie ist süß und schwer

es betäubt, erleichtert, erlöst

indem es die welt um mich herum

in den farben des winters malt:

schwarz, weiß, und zu viel grau

verschwommen in der dämmerung

der hereinbrechenden nacht

 

ich fand trost in der verwirrung

fühlte die wohlige wärme des erfrierungstods

als die wahrheit der sonne in meine welt kam

und mich von diesem fluch befreite

 

entgegen deiner bösen absicht, mich zu lähmen

weckst du jetzt in mir die hoffnungsvolle sehnsucht

dass deine tage gezählt sein werden

du bist nur eine jahreszeit.

 

licht, wärme, tauwetter

haben etwas wunderbar lebendiges

sind vorboten

ewigen lebens: für immer in seinem licht fröhlich zu sein!

Das perfekte Zeugnis.

Am nächsten Tag, als Johannes Jesus auf sich zukommen sah, sagte er: »Seht her! Da ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!Er ist es, von dem ich sagte: `Bald nach mir kommt ein Mann, der größer ist als ich, denn er war da, lange bevor es mich gab.´ Ich kannte ihn nicht. Aber um Israel die Augen für ihn zu öffnen, bin ich gekommen und habe mit Wasser getauft.« Und er fuhr fort: »Ich sah den Heiligen Geist wie eine Taube vom Himmel herabkommen und sich auf ihm niederlassen. Ich kannte ihn nicht, doch Gott, der mir den Auftrag gegeben hat, mit Wasser zu taufen, sagte zu mir: `Der, auf den du den Heiligen Geist herabkommen und sich niederlassen siehst, ist der, den du suchst. Er ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.´ Das habe ich nun gesehen und deshalb bezeuge ich, dass dieser Mann der Sohn Gottes ist.« (Johannes 1,29-34)

Johannes der Täufer war nicht nur eine faszinierende Persönlichkeit, was sein Selbstverständnis und Motivation anging, auch die Art und Weise, wie er Jesus bezeugte war beeindruckend: theologisch vollständig und radikal, doch gleichzeitig persönlich und authentisch. Ein echtes Vorbild für jeden Christen!

1. Theologisch vollständig: Was Johannes hier über Jesus sagt, sind die Grundlagen der christlichen Botschaft – und das, obwohl Jesus gerade erst die Bühne der Öffentlichkeit betreten hatte. Er spricht von Jesus als dem Lamm Gottes (Opfer), dem Gesalbten Gottes (Messias) und dem Sohn Gottes (Gott). Wieviel mehr sollte ich darauf achten, ein vollständiges Bild von Jesus zu zeichnen!

2. Theologisch radikal: Für seine Zuhörer war seine Botschaft radikal und anstößig. Gott hat einen Sohn? Gott wurde Mensch? Ein Mensch als Sündopfer? Vergebung und Gottesbeziehung für alle? Aber gerade diese Punkte machen sein Zeugnis zu einem christlichen Zeugnis. Jeder kann sagen, dass es richtig ist, seinen Mitmenschen zu lieben, gerecht und barmherzig zu sein. Das alleine ist kein christliches Zeugnis. Um Jesus zu bekennen, muss ich – wie Johannes der Täufer – von Jesus als Gottessohn, Menschensohn und Opferlamm sprechen. Egal, ob ich dafür Applaus oder einen Vogel gezeigt bekomme.

3. Persönlich: Obwohl er klare theologische Aussagen macht, bleibt er nicht an dem Punkt stehen, sondern er belegt  diese mit persönlichen Erfahrungen. Gott hatte zu ihm gesprochen und er hatte eine Erscheinung des Heiligen Geistes gesehen. Es war keine intellektuelle Trockenübung gewesen, er war durch seine übernatürlichen Erfahrungen zu seinen Überzeugungen im Bezug auf Jesus gekommen. Bei allem Interesse für theologische Tiefe und Integrität – ich darf meine Erlebnisse mit Jesus nie vergessen. Sie sind ja der Grund dafür, dass ich heute mit Jesus unterwegs bin, und mir überhaupt über die Theorie soviele Gedanken mache.

4. Authentisch: Teil seines persönlichen Zeugnisses ist es, dass er dazu steht, dass er manche Sache erst spät kapierte. Er gibt zu, dass er Jesus (in den hier aufgezählten Eigenschaften) bis zu seinem Erlebnis bei der Taufe nicht wirklich gekannt hatte. Mit Sicherheit kannte er ihn als Mensch – immerhin war er sein Cousin. Aber Gott musste zu ihm sprechen und ihm erst die Augen dafür öffnen, wer Jesus wirklich war. Aus Johannes spricht keine Überlegenheit, sondern Menschlichkeit. Er redet nicht von oben herab, als einer, der alles gecheckt hatte, sondern auf Augenhöhe mit seinen Zuhörern, als einer, der lernen und sich entwickeln musste. Diese Eigenschaft ist unglaublich wichtig und vielleicht sogar der Schlüssel zum Herz der Zuhörer.

Alles in Allem: das perfekte Zeugnis.

Ich taufe nur mit Wasser.

In den Versen 19-23 von Johannes 1 zeigte sich in einem Gespräch zwischen Johannes dem Täufer und den Abgesandten des Hohen Rates, dass Johannes eine gesunde Selbsteinschätzung hatte. Er hielt sich nicht selber für den Christus, nicht mal für einen Christus. Tatsächlich hielt er sich nicht einmal für irgendeine Schlüsselfigur in Gottes Plan für sein Volk. Er sah sich selbst einfach als „Eine Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für das Kommen des Herrn!“ Das war sein Ruf, seine Aufgabe, seine Identität.

„Der Ruf Gottes ist der Ruf, der von seinem Wesen ausgeht. Wo wir dann als Reaktion auf diesen Ruf hingehen, hängt vollständig von den Umständen ab, die Gott in seiner Vorsehung geschaffen hat. Der Ruf Gottes an sich ist kein Ruf zu einem bestimmten Dienst, doch unsere Interpretation von diesem Ruf kann es durchaus sein. Das heißt, durch meinen Kontakt mit dem Wesen Gottes, wird mir klar, was ich für ihn tun kann. Der Ruf zum Dienst ist das Echo meiner Identifizierung mit Gott. Mein Dienst resultiert aus dem, was meinem Wesen entspricht. Gottes Ruf entspricht seinem Wesen, deswegen kann ich seinen Ruf nicht hören, bis ich nicht sein Wesen empfangen habe. Wenn ich sein Wesen empfangen habe, wirken die beiden – mein Wesen und Gottes Wesen – zusammen. Der Sohn Gottes offenbart sich in mir, und ich, der natürliche Mensch, diene dem Sohn Gottes auf gewöhnlichem Wege und aus bloßer Hingabe zu ihm.“ (Oswald Chambers; So send I you)

Durch das, was der Heilige Geist in Johannes getan hatte (seine Salbung), konnte Johannes die Stimme Gottes hören. Es war Gottes Stimme, die in der Wüste rief. Johannes spürte Gott rufen. Er suchte sich nicht einfach etwas aus der Bibel aus, mit dem er sich identifizieren wollte. Gott rief und berief ihn.

In der Geschichte folgt eine weitere Befragung. Diesmal sind es die Abgesandten der Pharisäer, die eine Frage stellen. Es ist eine Frage, die sich logisch aus Johannes‘ bisherigen Antworten ergibt: „Wenn du weder der Christus noch Elia oder der Prophet bist, mit welchem Recht taufst du dann?“ Mit anderen Worten: Du nimmst für dich zwar nicht in Anspruch, etwas Großes und Bedeutendes zu sein, aber dann tust du einen Dienst, der – nach unserem Verständnis – nur von dem Christus, Elia oder dem Propheten getan werden darf: Du taufst Juden! (Die Taufe war eigentlich Teil des Rituals, durch das Nichtjuden zum Judentum konvertierten. Dass Johannes Menschen taufte, die bereits Juden waren, passte zu seiner Botschaft, dass Gottes Volk geistlich und moralisch gesehen so lebte wie die heidnischen Völker. Durch die Taufe identifizierten sich die Menschen mit den Nichtjuden, und bekannten, dass sie – obwohl sie bereits Juden waren – diese Bekehrung nötig hatten – ein radikales Schuldbekenntnis!) Du müsstest eigentlich ein Retter oder Prophet sein, um diesen Dienst überhaupt tun zu dürfen! Wenn du das nicht bist, ist dein Handeln eigentlich anmaßend.

Die Antwort des Johannes ist erstaunlich: „Ich taufe nur mit Wasser, doch hier mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt. Er wird aber schon bald nach mir kommen. Ich bin nicht einmal wert, sein Diener zu sein.“ (Vers 26-27) Der Vorwurf lautete: Du sagst zwar, dass du dich nicht selber für den Christus, oder einen Propheten hältst, aber dann tust du das Werk des Christus. Das passt doch nicht zusammen! Johannes reagiert, indem er klar stellt, dass er keineswegs wortwörtlich ‚das Werk Gottes tut‘. Nicht nur wer er war, auch das was er tat war in seinen Augen nichts Großes. Er taufte nur mit Wasser. Das einzig Große in seinen Augen war Jesus. In drei Aussagen verweist er auf ihn:

  1. „Hier mitten unter euch steht einer, den ihr noch nicht kennt.“ Dieser Satz muss sie dazu gebracht haben, Jesus neugierig zu suchen. Die Aufmerksamkeit wurde auf ihn gelenkt.
  2. „Er wird aber schon bald nach mir kommen.“ Dieser Satz muss sie dazu gebracht haben, Jesus sehnlichst zu erwarten. Die Hoffnungen wurden auf ihn gelenkt.
  3. „Ich bin nicht einmal Wert, sein Diener zu sein.“ (wörtl.: ihm die Sandalen auszuziehen) Dieser Satz muss sie dazu gebracht haben, ehrfürchtig zu Jesus aufzuschauen. Die Anbetung wurde auf ihn gelenkt.

Und Johannes sagte diese Dinge nicht, weil er demütig sein oder einfach das Richtige sagen wollte. Er sagte sie, weil er durchaus zwischen der Person Jesus und sich selbst, zwischen dem Wirken Jesu und seinem eigenen trennen konnte. Ihm waren die natürlichen Grenzen seines eigenen Dienstes bewusst.

Mich beeindruckt dieser einfache Satz: Ich taufe nur mit Wasser. Manche werden denken, dass man sich für eine Art Retter oder Prophet halten muss, oder zumindest als jemanden, der das Werk eines Retters oder Propheten tut, um Gemeindegründer oder Missionar sein zu wollen (Messiaskomplex/Helfersyndrom). Am Beispiel von Johannes dem Täufer wird aber klar, dass diese psychologische Analyse völlig daneben liegen kann, weil sie die geistlichen Dynamiken nicht kennt oder versteht.

Die Erklärung für meine Motivation ist viel simpler: Gott ist Gott und ich bin ich. D. h., nur er kann tun, was er tun kann. Wegen dem, was Gott für mich und in mir getan hat, bin ich dankbar, und möchte deswegen das tun, was seinem Ruf und meiner Persönlichkeit entspricht. Es ist ein ganz  natürlicher übernatürlicher Prozess. Dafür muss ich mich weder für Gott, noch für einen Messias, noch für einen Propheten halten. Ich glaube auch nicht, dass mein Dienst hier in sich selbst Bedeutung haben würde. Ich taufe auch nur mit Wasser.

Wer bist du eigentlich?

Wer bin ich eigentlich?

‚Was machst du in Köln?‘ Mit dieser Frage werde ich von mehreren Seiten konfrontiert. Da sind auf der einen Seite die Freunde aus unserer Heimatgemeinde. Von denen kommend meint die Frage, womit ich konkret meine Stunden täglich fülle. Dann kommt die Frage von den Menschen, die ich hier in Köln treffe – Geschwister aus anderen Gemeinden, aber auch Nichtchristen. Da geht die Bedeutung der Frage schon tiefer: ‚Was ist deine Motivation? Was siehst du als deine Aufgabe? Welches Ziel willst du erreichen?‘ Und dann stelle ich mir diese Frage selbst. Das ist die tiefste Ebene. Andere kann man mit den richtigen Antworten zufriedenstellen. Sich selbst irgendwann nicht mehr.

Mir ist aufgefallen, dass es auch im vollzeitlichen Gemeindedienst relativ leicht ist, sich über das zu definieren, was man macht. Leichter, als darüber nachzudenken, wer man eigentlich ist. Durch ein Gespräch gestern wurde mir klar, dass ich bis jetzt eigentlich nur überlegt und geplant habe, was ich alles hier in Köln machen sollte/will. Vielleicht klang mir die Frage ‚Wer oder was willst du in Köln sein?‘ zu psychologisch. Wahrscheinlich habe ich sie aber einfach zu schnell und oberflächlich beantwortet: Gemeindegründer. Christ. Dabei ist es wortwörtlich grundlegend, diese Frage wirklich zu beantworten. Es reicht mir nicht mehr, die theologisch richtigen Antworten geben zu können. Ich will, nein, ich muss mich ehrlich mit ihnen auseinandersetzen. Von der richtigen Antwort hat keiner was. Gott kennt sie sowieso schon. Aber mit der ehrlichen Antwort kann man arbeiten. Die taugt als Grundlage.

Wer ist Jesus eigentlich?

Auf der Suche nach der ehrlichen Antwort hilft mir die Stelle Johannes 1,1-23. Der Text beginnt mit einer unglaublichen Beschreibung von Jesus Christus in den Versen 1-18. Johannes beschreibt ihn in all seiner Größe, Herrlichkeit und Göttlichkeit und erklärt, wie sich diese Eigenschaften in seiner Menschwerdung und in seinem Menschsein zeigten. Ein faszinierender Abschnitt. Jesus ist Gott, er ist das schöpferische Wort Gottes, in ihm ist Leben und Licht, er ist voller Gnade und Wahrheit, er ist die Offenbarung Gottes. In ihm ist all das, was Gott uns geben und was er für uns sein will zu uns Menschen in unsere Dunkelheit, Unwissenheit und Ablehnung gekommen.

Wer ist Johannes der Täufer eigentlich? – kein Messiaskomplex

Dann beschreibt Johannes eine Begegnung zwischen Johannes dem Täufer und den politisch Mächtigen sowie der religiösen Elite: „Die führenden Männer des jüdischen Volkes schickten Priester und Leviten aus Jerusalem zu Johannes, um ihn zu fragen: »Wer bist du eigentlich?«“ (Vers 19) Eine gute Frage: Sag uns, für wen du dich hältst. Dann können wir dich – anhand deiner Antwort – besser einordnen. Und Johannes scheute sich nicht, diese Frage zu beantworten: „Johannes schwieg nicht, sondern bekannte klar und deutlich: »Ich bin nicht der Christus.«“ (Vers 20)

Johannes der Täufer war ein besonderer Mensch mit einer außergewöhnlichen Aufgabe. Ich glaube, dass sein klares Verständnis seiner eigenen Identität ihm Autorität verlieh. Seine Stimme fand Gehör. Er bewegte ein ganzes Volk. Die Frage, wer er eigentlich sei, beantwortet er zunächst dadurch, dass er ganz klar und deutlich sagt, wer er nicht ist: ‚Ich bin nicht der Christus‘. Für jemanden im geistlichen Dienst ist diese Erkenntnis unheimlich wichtig. All die wunderbaren Dinge, die im ersten Abschnitt des Kapitels über Jesus gesagt werden, treffen auch nur auf Jesus zu. Es sind alles Dinge, die Jesus allein ausmachen – sonst niemanden.

Wenn ich mich mit der Frage auseinandersetze, wer ich bin, bzw. wer oder was ich hier in Köln sein will, muss ich mich in dieser Hinsicht immer wieder von Jesus abgrenzen. Ich bin nicht hier, um Köln zu retten. Ich bin nicht der Verheißungsträger. Ich bin nicht der Christus. Vielleicht sind Menschen, die eine sehr intensive, spirituelle, übernatürliche Erfahrung gemacht haben, anfälliger dafür, sich selbst für den gesalbten und erleuchteten Retter zu sehen. Und obwohl ich unglaubliche Erlebnisse gemacht habe, war mir seit Jahren klar, dass ich kein Retter für irgendjemanden sein kann. Ich kann niemanden retten.

Was mir aber nicht aufgefallen ist, ist die Dynamik hinter meiner Gebetslosigkeit im Dienst. Ich habe nicht realisiert, dass ich mich so verhalte, als wäre ich doch der Christus, wenn ich versuche, das zu tun, wovon Jesus gesagt, hat, dass ich es nicht tun kann: geistliche Frucht bringen und den Vater verherrlichen (Johannes 15,5). Nur Jesus hat das ewige Leben als intrinsische Eigenschaft. Nur er ist die Quelle. Wenn ich also einfach mit geistlichem Dienst weiter mache, ohne die Verbindung zu ihm zu halten, fange ich (unbewusst) damit an, zu versuchen, Jesus zu sein. Das geschieht, weil ich probiere, ihnen aus mir selbst heraus etwas zu geben, was nur Jesus ihnen geben kann. Darum ist das verbunden Bleiben mit Jesus, sind geistliche Tiefe und Charakter so wichtig. Tim Keller schreibt:

„Wenn unser Herz Gott vergisst, kann unser Dienst zu einem heidnischen Opfer verkommen – ein Versuch, uns selbst und andere davon zu überzeugen, dass wir wer sind. Vielleicht sind wir in mancherlei Hinsicht erfolgreich, aber Ungeduld, Reizbarkeit, Stolz, verletzte Gefühle, Neid und Prahlerei werden uns verraten.“

Jon Courson sagt in seiner Predigt über diese Stelle: „Wenn du (…) nicht erheblich viel Zeit im Gebet verbringst, kannst du zwar behaupten ‚Ich bin nicht der Christus‘, aber du lebst so, als wärst du es doch.“

Eine Theologin schrieb: „Beten gilt dem gegenwärtigen nachchristlichen Bewusstsein als Ersatzhandlung.“ (Sölle)

Genau das habe ich viel  zu lange getan, und habe den Preis dafür bezahlen müssen. Damit muss jetzt Schluss sein. Ich bin nicht der Christus.

Wer ist Johannes der Täufer eigentlich? – keine großmannssucht

»Wer bist du dann?«, fragten sie. »Bist du Elia?« »Nein«, erwiderte er. »Bist du der Prophet?« »Nein.« (Vers 21)

Als erstes hatte Johannes der Täufer klar gestellt, wer er nicht war: der – von den einen sehnlichst herbeigewünschte, von den anderen als Bedrohung gefürchtete – Messias. Doch die Fragesteller hakten nach. Sie versuchten, ihn mit zwei anderen, großen Persönlichkeiten zu identifizieren, die im jüdischen Glauben mit dem Kommen des Messias in Verbindung gebracht wurden: dem alttestamentlichen Propheten Elia, der, laut Maleachi, als Wegbereiter des Messias auftreten sollte, und ‚dem Propheten‘, angekündigt von Mose höchstpersönlich. Bist du Elia? Bist du der Prophet? Bist du berühmt, bedeutsam, wichtig? Wirst du unsere Erwartungen in dieser Hinsicht erfüllen?

Später würde Jesus selbst über Johannes sagen, dass in ihm die Elia-Verheißung des Maleachi tatsächlich erfüllt worden ist (Markus 9,11-13). Aber, und das ist es ja worum es in diesem Absatz geht, Johannes hielt sich nicht selbst für einen bedeutenden Propheten. In seinen Augen war er nicht nur ’nicht der Christus‘, er war noch nicht mal irgendjemand, der in Verbindung mit diesem Christus eine einzigartige, heilsgeschichtliche Rolle spielte. Er sah sich selbst nicht als unersetzlichen Knecht Gottes.  Deswegen antwortete er auf die Fragen, ob er Elia oder der Prophet sei, mit einem knappen ‚Nein‘. Keine weiteren ausführenden Erklärungen.

Außer Jesus selbst ist – heilsgeschichtlich gesehen – kein Mensch unersetzlich. Ganz pragmatisch betrachtet, hätte Gott alles auch genauso durch andere Menschen – oder ganz ohne Mithilfe von Menschen tun können. Deswegen sollte sich keiner in Gottes Plan für unersetzlich oder bedeutsam halten. Einem der Wesley Brüder wird das Zitat „God buries his workmen, but carries on his work“, also „Gott begräbt seine Arbeiter, aber führt sein Werk weiter fort“ zugeschrieben. Das widerspricht natürlich unserem natürlichen Wunsch, etwas Besonders und besonders Wichtig sein zu wollen. Wir möchten lieber hören, dass wir einen strategisch wichtigen Platz in Gottes Plan zur Rettung dieser Welt haben, und wir verdrehen die Aussagen der Bibel, um dieses psychologische Verlangen  zu stillen. Weil Gott Liebe ist, hat jeder Mensch einen wichtigen Platz in Gottes Herzen. Aber in Gottes Werk gibt es keine Helden. Oswald Chambers schreibt:

„Wir sind nicht dazu berufen, Helden, sondern unauffällige Jünger zu sein. Wenn zwischen uns und Gott alles in Ordnung ist, ist für ihn die kleinste Tat, die wir aus Liebe zu ihm tun, kostbarer als das Halten einer Predigt. Wir haben in unser Konzept vom Christsein heroische Vorstellungen mit eingebracht, die ihren Ursprung im Heidentum, und nicht in der Lehre unseres Herrn haben. Jesus sagte seinen Jüngern, dass sie als Niemande behandelt werden würden. An keinem Punkt sagte er ihnen eine Zukunft als brilliante oder bewundernswerte Menschen voraus. In uns allen schlummert der versteckte Wunsch, dass wir Gottes Ausstellungsstücke in seiner Vitrine sein möchten.  Aber Jesus will uns nicht als seine Musterobjekte…“ (So send I you)

Ich bin auch nicht hier in Köln, weil Gott mich hier braucht, oder weil ich einen bedeutenden (oder gar unersetzlichen) Teil in seinem Plan für Köln spielen würde. Weder Köln noch Gott haben darauf gewartet, dass ich endlich nach Köln ziehe. Gott hat keinerlei Verpflichtungen, mich zu gebrauchen. Dieses Wissen ist nicht nur psychologisch und geistlich gesund, es tut auch gut und befreit. Gutgemeinte Ermutigungen von Glaubensgeschwistern, die das Gegenteil behaupten, darf man lächelnd abtun.

Wer ist Johannes der Täufer eigentlich? – Eine Stimme

»Wer bist du dann? Sag es uns, damit wir die Antwort denen überbringen können, die uns geschickt haben. Was sagst du selbst, wer du bist?« Johannes antwortete mit den Worten des Propheten Jesaja: »Ich bin eine Stimme, die in der Wüste ruft: `Ebnet den Weg für das Kommen des Herrn!´« (Verse 22-23)

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Johannes den Abgesandten des Hohen Rates nur darüber Auskunft gegeben, wer bzw. was er alles nicht war. Über seine Identität hatte er sie – im Sinne einer positiven Aussage – noch im Unklaren gelassen. Doch die Fragesteller bohren weiter, und Johannes gibt ihnen tatsächlich auch noch eine ‚vernünftige‘ Antwort. Er antwortete ihnen mit den Worten des Propheten Jesaja.

Das zeigt mir folgendes: Er fand seine Identität in der Heiligen Schrift. Auch wenn es nicht die großen Helden, die wichtigen Persönlichkeiten waren, mit denen er sich identifizierte, kannte er seinen Auftrag. Er fand sich in der Jesajastelle wieder, in der es um die Vorbereitung des Volkes Israel auf den bald kommenden Messias ging. In Jesaja 40,3 spricht der Prophet von einer Stimme, die das Volk dazu auffordert, sich bereit zu machen. Johannes der Täufer sagt: Ich bin diese Stimme.

Eine Stimme sieht man nicht, man hört sie. Johannes ließ seine Stimme nicht mal in den geschäftigen Straßen Jerusalems erklingen, sondern in der kargen Felswüste außerhalb der größeren Orte. Trotzdem war die Vollmacht seiner Stimme so gewaltig, dass sie im ganzen Land erklang. Er brachte reichlich geistliche Frucht – die Menschen kamen aus dem ganzen Land, um sich von ihm taufen zu lassen.

Jeder Christ ist dazu berufen, eine Stimme zu sein. In mancherlei Hinsicht ist die lauteste Stimme, die wir als Christen haben, die Stimme der guten Werke. Unser Leben predigt die deutlichste Botschaft. Aber gleichzeitig hat die Gemeinde von Anfang an den Auftrag der Verkündigung. Die gute Botschaft muss gelebt, erklärt und proklamiert werden.

Ich glaube, dass ich als Christ eine Stimme in Köln sein soll. Eine Stimme, die das heranbrechende Königreich Gottes in dieser Stadt (ein Reich, dass in Gerechtigkeit, Friede und Freude besteht) verkündigt. Jesus ist das Wort – ich bin nur eine Stimme von vielen in dieser Stadt.