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So viele Menschen wie möglich.

Mein Kollege und Freund Wolfgang Jung, Pastor in der Calvary Chapel Freier Grund, hat auf seinem Blog einen Eintrag zu der Frage ‚So viele Menschen wie möglich – oder alle Volksgruppen?‚ veröffentlicht. Inspiriert ist sein Artikel von einer Predigt von David Platt. In seinem Artikel schreibt er, es sei Ungehorsam gegenüber Gottes Wort, wenn wir die Enden der Stadt den Enden der Erde vorziehen. Ich teile weder seine Definition ‚unerreicht‘, noch seine Definition von ‚Volksgruppe‘. Zu diesem Artikel hier mein Kommentar:

1 – Deine Sichtweise unterschätzt die große Kluft innerhalb der Subkulturen innerhalb einer Nation. Zu sagen, dass ‚Deutschland‘ erreicht ist, impliziert, dass es eine suprakulturelle Ebene gibt, auf der man das Evangelium kommunizieren könnte, oder dass es ‚die Deutschen‘ gibt – eine realitätsferne Vorstellung. Tatsächlich gibt es Milieus, Kulturen und Subkulturen in Deutschland, denen das Evangelium noch nicht tatsächlich kommuniziert worden ist. Deine bzw. Platt’s Definition von ‚Volksgruppe‘ ist viel zu theoretisch und konservativ. Wie wäre es denn z. B. mit der Sprachgruppe ‚kiezdeutsch‘? Ist die schon erreicht?

2 – Gott wird die Menschen als Einzelpersonen richten, nicht nach Volkszugehörigkeit (hier Bibelverse anzuführen wäre albern, es gibt so viele…). Das zeichnete sich im Alten Testament schon ab, aber im Neuen ist es ausdrücklich (siehe z. B. Paulus‘ Definition vom ‚wahren Juden‘ im Römerbrief). Vor Allem bin ich dankbar, dass Gott mit Sicherheit nicht anhand von statistischen Angaben und einer theoretischen Möglichkeit beurteilen wird. Ich empfinde diese Art von Denken als entmenschlicht und mechanisch. Die Verantwortung vor Gott ist nicht an nationale Zugehörigkeit sondern an die persönlichste aller Entscheidungen und an einen Lebensweg geknüpft.

3 – Das Gleiche gilt für Jüngerschaft. Einen Menschen als ‚erreicht‘ zu betrachten, wenn er das Evangelium mal gehört hat, greift meiner Meinung nach nicht weit genug. Selbst wenn er ‚eine Entscheidung für Jesus trifft‘, fängt die Aufgabe des Missionsbefehls erst an. Wir sammeln ja nicht einmalige Entscheidungen für Jesus, sondern sollen Menschen zu Jüngern machen. Nach deiner Definition kann man also eine Nation zu einem Jesusnachfolger machen, indem man in ihr ein Zeugnis für das Evangelium installiert, sie also nach einer statistischen Definition als ‚erreicht‘ gilt? Wie soll man denn eine Volksgruppe als Kollektiv taufen? Der Missionsbefehl zielt ganz klar darauf ab, Einzelpersonen zu erreichen und sie zu Jüngern zu machen. Das beinhaltet das Taufen, also das Hinzufügen zu einer anbetenden Gemeinschaft. Eine Nation kann man nicht taufen, und ihr nicht beibringen, als Christ zu leben. Deswegen kann man auch nicht einer Nation generisch das Evangelium predigen.

4 – Wenn Christsein etwas mit Gemeindezugehörigkeit – und nicht nur mit einem Ticket zum Himmel – zu tun hat, müsste es genügend Platz in Kirchen und Gemeinden geben, um alle Menschen zu fassen, bzw. die Strukturen dazu geben (es sei denn, man übernimmt den Ansatz der ‚organic church‘). Da sind wir, insbesondere in den Großstädten noch weit von entfernt. Wie viele Gemeinden sollte es z. B. in einer Großstadt wie Berlin geben, damit alle Menschen tatsächlich eine Chance haben, Christen zu sein? Und wesentlich größere Megastädte sprießen wie Pilze aus dem Boden.

5 – Was ist mit anderen Konfessionen? Ist ein katholisches oder orthodoxes Land unerreicht, weil es weniger als 2% Evangelikale hat? ‚Mit dem Evangelium erreicht‘ ist also ‚von uns erreicht‘?

6 – Besonders schwierig finde ich es, wenn wir für andere Volksgruppen entscheiden, ab wann wir sie für erreicht halten. Das ist ethnozentrisch und bevormundend.

7 – Was wäre, wenn ‚die Enden der Erde‘ nicht mehr geographisch weit weg sind, sondern in der Großstadt ein Haus weiter wohnen?

8 – Und glaubst du wirklich, dass Jesus sich bei seinem Timing für seine Wiederkunft nach evangelikalen Statistiken richten wird?

Ich gehe mal stark davon aus, dass Platt als Neo-Calvinist Post- oder Amilleniarist ist, und deswegen diese Sichtweise vertritt. Darf ich dich auch da einordnen?

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A Response to the Emerging Church

Good article, found on Justin Alfred’s website.

Der ewige Neuanfang

Das Reich Gottes besteht nicht aus Regeln, sondern Friede, Freude und Gerechtigkeit. Nicht bloß aus Worten, sondern aus lebensverändernder Kraft. Jesus nennt es ‚ewiges Leben‘, und meint damit nicht die Länge, sondern die göttliche Qualität. Es ist ein Stück Himmel auf Erden. Jesus ist gekommen um durch seinen Tod den Himmel in diese Welt hineinzupflanzen. Unscheinbar wie ein Senf- oder ein Weizenkorn hat alles begonnen – aber daraus ist ein Riesen-Baum gewachsen. Groß genug, dass sich alle möglichen Vögel in seinen Zweigen einnisten konnten…

In einem nächtlichen Gespräch mit einem jüdischen Theologen, der durchaus die göttliche Bestätigung auf dem Leben von Jesus anerkannte, kommt im Johannesevangelium, Kapitel 3, Vers 3 dieser interessante Satz vor: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen (sehen = Hebraismus: erleben). Du musst nochmal geboren werden. Aber was genau meint Jesus mit dieser Metapher? Eine neue Geburt ist ein totaler Neuanfang. Der neugeborene Mensch ist fleischgewordene Abhängigkeit – aber auch instinktives Vertrauen.

Aus den weiteren Erklärungen wird deutlich, dass diese Neugeburt etwas ist, was Gott der Heilige Geist hier auf der Erde tut. Es ist göttlichen Ursprungs. Was möchte Jesus mit dieser rätselhaften Aussage bewirken? Ich glaube, er will Nikodemus dahin bringen, seine Abhängigkeit vom Lebensspender zu realisieren. Zu sagen: ‚Du musst nochmal geboren werden‘ ist ja nichts, was man dann einfach praktisch umsetzen könnte. Eine zweite Geburt kann man genauso wenig beeinflussen wie man sich das geboren Werden als Mensch nicht aussuchen konnte.

Ähnlich die zweite Metapher: Der Wind weht wo er will, aber du kannst nicht sagen, woher er kommt oder wohin er geht. Du kannst ihn nur hören, aber nicht steuern. Der Baum kann seine Äste und Zweige nicht bewegen, wann er es gerade möchte. Wenn der Wind nicht weht, bewegt sich nichts.

In der evangelikalen Tradition legen wir diesen Text eigentlich immer dahingehend aus, dass es zwei Gruppen von Menschen gibt: die Wiedergeborenen, die an einem Punkt von Gott lebendiggemacht, bewegt wurden, und seitdem das Reich Gottes erleben können, und die Nicht-Wiedergeborenen, die diese Erfahrung noch suchen müssen.

Ich würde diese Sichtweise gerne etwas erweitern. Für mich sind die Worte von Jesus hier auch eine Anleitung für das tägliche, geistliche Leben. Es geht nicht nur um die Qualifikation für ein einmaliges Betreten des himmlischen Reiches, sondern soll uns eine allgemeine, geistliche Wahrheit lehren. Wie kann ich täglich das Reich Gottes erleben? Die Antwort aus dem Text: ich kann es nicht selbst steuern oder beeinflussen. Ich muss anerkennen, dass göttliches, ewiges Leben mir von außerhalb gespendet werden muss. Ich bin brauche den Wind (= Geist, Atem) Gottes, der mich bewegt. Ich muss alle Erfahrungen, alles Wissen und alle Sünden jeden Tag wieder neu hinter mir zurücklassen. Jeder Tag ist für mich Tag Null. Der ewige Neuanfang.

Kann ich denn gar nichts machen? Doch: diesen Worten glauben. In den anschließenden Versen 14-15 heißt es dann: „Mose richtete in der Wüste den Pfahl mit der bronzenen Schlange auf. Genauso muss auch der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die sich im Glauben ihm zuwenden, durch ihn ewiges Leben bekommen.“ (GNB)

Damit knüpft er an eine Geschichte aus dem Alten Testament an (4. Mose 21), die jeder Mal für sich selbst lesen sollte. Jesus sagt Nikodemus: ich werde an einem Kreuz ‚erhöht‘ werden. Wer dann zu mir aufblickt, und glaubt, wird das ewige Leben schmecken. Der Wind weht zwar wann und wo er will. Aber Jesus zeigt uns doch, von wo er weht: vom Kreuz. Dahin muss ich schauen, glauben und warten. Täglich. Das ist das einzige Gegenmittel für die verschiedenen Gifte, die ich täglich (gewollt oder ungewollt) in mich aufnehme. Leben kommt von ihm.

„Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab. Nun werden alle, die sich auf den Sohn Gottes verlassen, nicht zugrunde gehen, sondern ewig leben.“

Agnostic?

„There is an admirable air of humility about the statement that the truth is much greater than any one person or any one religious tradition can grasp. The statement is no doubt true, but it can be used against the truth when it is used to neutralizie any affirmation of the truth. How does the speaker know that the trutz is so much greater than this particular affirmation of it – for example, that „Jesus Christ is the truth“? What privileged access to reality does he have? In the famous story of the blind men and the elephant, so often quoted in the interests of religious agnosticism, the real point of the story is constantly overlooked. The story is told from the point of view of the king and his courtiers, who are not blind but can see that the blind men are unable to grasp the full reality of the elephant and are only able to get hold of part of the truth. (…) If the king were also blind there would be no story. The story is told by the  king, and it is the immensly arrogant claim of one who sees the full truth which all the world’s religions are only groping after. It embodies the claim to know the full reality which relativizes all the claims of the religions and philosophies.“ (Lesslie Newbigin; The Gospel in a Pluralist Society)

Das perfekte Zeugnis.

Am nächsten Tag, als Johannes Jesus auf sich zukommen sah, sagte er: »Seht her! Da ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!Er ist es, von dem ich sagte: `Bald nach mir kommt ein Mann, der größer ist als ich, denn er war da, lange bevor es mich gab.´ Ich kannte ihn nicht. Aber um Israel die Augen für ihn zu öffnen, bin ich gekommen und habe mit Wasser getauft.« Und er fuhr fort: »Ich sah den Heiligen Geist wie eine Taube vom Himmel herabkommen und sich auf ihm niederlassen. Ich kannte ihn nicht, doch Gott, der mir den Auftrag gegeben hat, mit Wasser zu taufen, sagte zu mir: `Der, auf den du den Heiligen Geist herabkommen und sich niederlassen siehst, ist der, den du suchst. Er ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.´ Das habe ich nun gesehen und deshalb bezeuge ich, dass dieser Mann der Sohn Gottes ist.« (Johannes 1,29-34)

Johannes der Täufer war nicht nur eine faszinierende Persönlichkeit, was sein Selbstverständnis und Motivation anging, auch die Art und Weise, wie er Jesus bezeugte war beeindruckend: theologisch vollständig und radikal, doch gleichzeitig persönlich und authentisch. Ein echtes Vorbild für jeden Christen!

1. Theologisch vollständig: Was Johannes hier über Jesus sagt, sind die Grundlagen der christlichen Botschaft – und das, obwohl Jesus gerade erst die Bühne der Öffentlichkeit betreten hatte. Er spricht von Jesus als dem Lamm Gottes (Opfer), dem Gesalbten Gottes (Messias) und dem Sohn Gottes (Gott). Wieviel mehr sollte ich darauf achten, ein vollständiges Bild von Jesus zu zeichnen!

2. Theologisch radikal: Für seine Zuhörer war seine Botschaft radikal und anstößig. Gott hat einen Sohn? Gott wurde Mensch? Ein Mensch als Sündopfer? Vergebung und Gottesbeziehung für alle? Aber gerade diese Punkte machen sein Zeugnis zu einem christlichen Zeugnis. Jeder kann sagen, dass es richtig ist, seinen Mitmenschen zu lieben, gerecht und barmherzig zu sein. Das alleine ist kein christliches Zeugnis. Um Jesus zu bekennen, muss ich – wie Johannes der Täufer – von Jesus als Gottessohn, Menschensohn und Opferlamm sprechen. Egal, ob ich dafür Applaus oder einen Vogel gezeigt bekomme.

3. Persönlich: Obwohl er klare theologische Aussagen macht, bleibt er nicht an dem Punkt stehen, sondern er belegt  diese mit persönlichen Erfahrungen. Gott hatte zu ihm gesprochen und er hatte eine Erscheinung des Heiligen Geistes gesehen. Es war keine intellektuelle Trockenübung gewesen, er war durch seine übernatürlichen Erfahrungen zu seinen Überzeugungen im Bezug auf Jesus gekommen. Bei allem Interesse für theologische Tiefe und Integrität – ich darf meine Erlebnisse mit Jesus nie vergessen. Sie sind ja der Grund dafür, dass ich heute mit Jesus unterwegs bin, und mir überhaupt über die Theorie soviele Gedanken mache.

4. Authentisch: Teil seines persönlichen Zeugnisses ist es, dass er dazu steht, dass er manche Sache erst spät kapierte. Er gibt zu, dass er Jesus (in den hier aufgezählten Eigenschaften) bis zu seinem Erlebnis bei der Taufe nicht wirklich gekannt hatte. Mit Sicherheit kannte er ihn als Mensch – immerhin war er sein Cousin. Aber Gott musste zu ihm sprechen und ihm erst die Augen dafür öffnen, wer Jesus wirklich war. Aus Johannes spricht keine Überlegenheit, sondern Menschlichkeit. Er redet nicht von oben herab, als einer, der alles gecheckt hatte, sondern auf Augenhöhe mit seinen Zuhörern, als einer, der lernen und sich entwickeln musste. Diese Eigenschaft ist unglaublich wichtig und vielleicht sogar der Schlüssel zum Herz der Zuhörer.

Alles in Allem: das perfekte Zeugnis.

Ich taufe nur mit Wasser.

In den Versen 19-23 von Johannes 1 zeigte sich in einem Gespräch zwischen Johannes dem Täufer und den Abgesandten des Hohen Rates, dass Johannes eine gesunde Selbsteinschätzung hatte. Er hielt sich nicht selber für den Christus, nicht mal für einen Christus. Tatsächlich hielt er sich nicht einmal für irgendeine Schlüsselfigur in Gottes Plan für sein Volk. Er sah sich selbst einfach als „Eine Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für das Kommen des Herrn!“ Das war sein Ruf, seine Aufgabe, seine Identität.

„Der Ruf Gottes ist der Ruf, der von seinem Wesen ausgeht. Wo wir dann als Reaktion auf diesen Ruf hingehen, hängt vollständig von den Umständen ab, die Gott in seiner Vorsehung geschaffen hat. Der Ruf Gottes an sich ist kein Ruf zu einem bestimmten Dienst, doch unsere Interpretation von diesem Ruf kann es durchaus sein. Das heißt, durch meinen Kontakt mit dem Wesen Gottes, wird mir klar, was ich für ihn tun kann. Der Ruf zum Dienst ist das Echo meiner Identifizierung mit Gott. Mein Dienst resultiert aus dem, was meinem Wesen entspricht. Gottes Ruf entspricht seinem Wesen, deswegen kann ich seinen Ruf nicht hören, bis ich nicht sein Wesen empfangen habe. Wenn ich sein Wesen empfangen habe, wirken die beiden – mein Wesen und Gottes Wesen – zusammen. Der Sohn Gottes offenbart sich in mir, und ich, der natürliche Mensch, diene dem Sohn Gottes auf gewöhnlichem Wege und aus bloßer Hingabe zu ihm.“ (Oswald Chambers; So send I you)

Durch das, was der Heilige Geist in Johannes getan hatte (seine Salbung), konnte Johannes die Stimme Gottes hören. Es war Gottes Stimme, die in der Wüste rief. Johannes spürte Gott rufen. Er suchte sich nicht einfach etwas aus der Bibel aus, mit dem er sich identifizieren wollte. Gott rief und berief ihn.

In der Geschichte folgt eine weitere Befragung. Diesmal sind es die Abgesandten der Pharisäer, die eine Frage stellen. Es ist eine Frage, die sich logisch aus Johannes‘ bisherigen Antworten ergibt: „Wenn du weder der Christus noch Elia oder der Prophet bist, mit welchem Recht taufst du dann?“ Mit anderen Worten: Du nimmst für dich zwar nicht in Anspruch, etwas Großes und Bedeutendes zu sein, aber dann tust du einen Dienst, der – nach unserem Verständnis – nur von dem Christus, Elia oder dem Propheten getan werden darf: Du taufst Juden! (Die Taufe war eigentlich Teil des Rituals, durch das Nichtjuden zum Judentum konvertierten. Dass Johannes Menschen taufte, die bereits Juden waren, passte zu seiner Botschaft, dass Gottes Volk geistlich und moralisch gesehen so lebte wie die heidnischen Völker. Durch die Taufe identifizierten sich die Menschen mit den Nichtjuden, und bekannten, dass sie – obwohl sie bereits Juden waren – diese Bekehrung nötig hatten – ein radikales Schuldbekenntnis!) Du müsstest eigentlich ein Retter oder Prophet sein, um diesen Dienst überhaupt tun zu dürfen! Wenn du das nicht bist, ist dein Handeln eigentlich anmaßend.

Die Antwort des Johannes ist erstaunlich: „Ich taufe nur mit Wasser, doch hier mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt. Er wird aber schon bald nach mir kommen. Ich bin nicht einmal wert, sein Diener zu sein.“ (Vers 26-27) Der Vorwurf lautete: Du sagst zwar, dass du dich nicht selber für den Christus, oder einen Propheten hältst, aber dann tust du das Werk des Christus. Das passt doch nicht zusammen! Johannes reagiert, indem er klar stellt, dass er keineswegs wortwörtlich ‚das Werk Gottes tut‘. Nicht nur wer er war, auch das was er tat war in seinen Augen nichts Großes. Er taufte nur mit Wasser. Das einzig Große in seinen Augen war Jesus. In drei Aussagen verweist er auf ihn:

  1. „Hier mitten unter euch steht einer, den ihr noch nicht kennt.“ Dieser Satz muss sie dazu gebracht haben, Jesus neugierig zu suchen. Die Aufmerksamkeit wurde auf ihn gelenkt.
  2. „Er wird aber schon bald nach mir kommen.“ Dieser Satz muss sie dazu gebracht haben, Jesus sehnlichst zu erwarten. Die Hoffnungen wurden auf ihn gelenkt.
  3. „Ich bin nicht einmal Wert, sein Diener zu sein.“ (wörtl.: ihm die Sandalen auszuziehen) Dieser Satz muss sie dazu gebracht haben, ehrfürchtig zu Jesus aufzuschauen. Die Anbetung wurde auf ihn gelenkt.

Und Johannes sagte diese Dinge nicht, weil er demütig sein oder einfach das Richtige sagen wollte. Er sagte sie, weil er durchaus zwischen der Person Jesus und sich selbst, zwischen dem Wirken Jesu und seinem eigenen trennen konnte. Ihm waren die natürlichen Grenzen seines eigenen Dienstes bewusst.

Mich beeindruckt dieser einfache Satz: Ich taufe nur mit Wasser. Manche werden denken, dass man sich für eine Art Retter oder Prophet halten muss, oder zumindest als jemanden, der das Werk eines Retters oder Propheten tut, um Gemeindegründer oder Missionar sein zu wollen (Messiaskomplex/Helfersyndrom). Am Beispiel von Johannes dem Täufer wird aber klar, dass diese psychologische Analyse völlig daneben liegen kann, weil sie die geistlichen Dynamiken nicht kennt oder versteht.

Die Erklärung für meine Motivation ist viel simpler: Gott ist Gott und ich bin ich. D. h., nur er kann tun, was er tun kann. Wegen dem, was Gott für mich und in mir getan hat, bin ich dankbar, und möchte deswegen das tun, was seinem Ruf und meiner Persönlichkeit entspricht. Es ist ein ganz  natürlicher übernatürlicher Prozess. Dafür muss ich mich weder für Gott, noch für einen Messias, noch für einen Propheten halten. Ich glaube auch nicht, dass mein Dienst hier in sich selbst Bedeutung haben würde. Ich taufe auch nur mit Wasser.

Das hier hilft gegen Sorgen.

„Er aber sprach zu seinen Jüngern: Deshalb sage ich euch: Seid nicht besorgt für das Leben, was ihr essen, noch für den Leib, was ihr anziehen sollt!“ (Lukas 12,22)

Jesus spricht bei seinen Jüngern die Sorge um existenzielle Dinge an. Es geht nie darum, Gott für den Luxus zu vertrauen. Bei Nahrung und Kleidung geht es um das Überleben und die Würde des Menschen.

„Das Leben ist mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung.“ (23)

Damit meint er nicht, dass diese Dinge unwichtig wären. Ihm geht es darum, dass wir ihnen nicht durch Sorge den zentralen Platz in unserem Leben geben sollen. Unser Leben sollte sich um andere Dinge drehen können. Aber wie soll das möglich sein? Wir haben es doch mit tatsächlichen Bedürfnissen und Nöten zu tun! Jesus antwortet:

„Betrachtet die Raben, die nicht säen noch ernten, die weder Vorratskammer noch Scheune haben, und Gott ernährt sie. Wieviel seid ihr mehr als die Vögel!“ (24)

Gott ernährt die Vögel. Diese kindlich naive Einstellung ist eine Beleidigung für unser aufgeklärtes, selbständiges Denken. Aber Jesus wird uns gleich mit der Nase darauf stoßen, dass auch unsere Rationalität letztendlich hilflos vor den großen Problemen des Lebens steht. Die Logik hinter dieser Aussage Jesu ist folgende: Gott versorgt auch die Tiere – Ihr Menschen seid ihm wichtiger als die Tiere – Deswegen wird er euch erst recht versorgen. Im Unterschied zu den Tieren müssen wir Menschen uns allerdings entscheiden, ob wir Gott vertrauen wollen oder nicht. Tiere sorgen sich nicht. Bin ich bereit, mich auf diese kindliche Logik Jesu einzulassen und zu vertrauen? Denn auch wenn diese Logik naiv klingt – was ist die Alternative?

„Wer aber unter euch kann mit Sorgen seiner Lebenslänge eine Elle zusetzen? Wenn ihr nun auch das geringste nicht könnt, warum seid ihr um das übrige besorgt?“ (25-26)

Während wir die Aussage in Vers 24 spöttisch herablassend belächeln, vergeht uns bei diesen zwei Fragen der Hohn. Die Realität ist: du hast dein Leben nicht selbst in der Hand. Das ist kein Aufruf zum verantwortungslos Sein. Es soll uns nur damit konfrontieren, dass die Sorge allein überhaupt nichts ändern oder verbessern kann. Sie macht das Leben weder länger noch schöner, und ist faktisch gesehen völlig nutzlos.

„Betrachtet die Lilien, wie sie wachsen; sie mühen sich nicht und spinnen auch nicht. Ich sage euch aber, selbst Salomo in all seiner Herrlichkeit war nicht bekleidet wie eine von ihnen. Wenn aber Gott das Gras, das heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wieviel mehr euch, Kleingläubige?“ (27-28)

Natürlich haben Menschen im Gegensatz zu Blumen Eigenverantwortung. Die Bibel fordert auch einhellig dazu auf, diese wahr zu nehmen. Faulheit und Unzuverlässigkeit sind mit Sicherheit keine christlichen Tugenden. Deswegen geht es auch hier nicht darum, mich zu fragen, ob ich arbeiten soll oder nicht. Es geht um die Frage, auf wen ich mich verlasse. Mich auf meine eigene Anstrengung zu verlassen macht keinen Sinn, weil ich mein Leben nicht wirklich in der Hand habe. Statt dessen will Jesus uns davon überzeugen, uns auf Gott zu verlassen. Dieser Gott ist vertrauenswürdig. Während in Vers 24 als Eigenschaft Gottes die Liebe zum Menschen im Vordergrund steht, zeigt uns Jesus Gott als großzügigen und verschwenderischen Geber.

„Und ihr, trachtet nicht danach, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und seid nicht in Unruhe! Denn nach diesem allen trachten die Nationen der Welt“ (29-30a)

Wenn ich diesen Gott nicht kennen, ist es klar, dass ich besorgt und unruhig bin. Jesus sagt: Verhaltet euch nicht so, als hättet ihr Gott nicht!

„euer Vater aber weiß, dass ihr dies benötigt. Trachtet jedoch nach seinem Reich! Und dies wird euch hinzugefügt werden.“ (30b-31)

Gott weiß, was ich für’s Leben brauche. Und das wird er mir auch geben. Er weiß auch, dass unsere Sorgen uns davon abhalten, darüber nachzudenken, wie wir zur Ausbreitung seines Reiches beitragen könnten. Deswegen will er uns helfen, unsere Sorgen abzulegen, damit wir uns dann um die Dinge kümmern können, die wirklich wichtig sind: das „mehr“ aus Vers 23.

„Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben.“ (32)

Dieses Reich, nach dem wir trachten sollen, ist uns von Gott gegeben. Wir brauchen uns nicht zu fürchten, dass wir – weil wir nur eine kleine Herde sind – vergebens nach dem Reich Gottes trachten.

„Verkauft eure Habe und gebt Almosen; macht euch Beutel, die nicht veralten, einen unvergänglichen Schatz in den Himmeln, wo kein Dieb sich naht und keine Motte zerstört! Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.“ (33-34)

Setzt euer Geld ewigkeitswirksam ein! Nicht die irdischen Sorgen sollten meinen Umgang mit dem Geld steuern, sondern meine Gottesbeziehung. Wenn ich glaube, dass Gott für mich sorgt, bin ich frei, mit meinem Besitz Gottes Reich zu bauen – durch Opferbereitschaft und überschwengliches, großzügiges Geben. Diese Theologie Jesu soll jeden Menschen dazu befähigen, ein Geber sein zu können. Das Aufgeben, Schenken und Teilen war von Anfang an ein Zeichen des angebrochenen Reichs Gottes (siehe Apostelgeschichte 2-4).