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Der ewige Neuanfang

Das Reich Gottes besteht nicht aus Regeln, sondern Friede, Freude und Gerechtigkeit. Nicht bloß aus Worten, sondern aus lebensverändernder Kraft. Jesus nennt es ‚ewiges Leben‘, und meint damit nicht die Länge, sondern die göttliche Qualität. Es ist ein Stück Himmel auf Erden. Jesus ist gekommen um durch seinen Tod den Himmel in diese Welt hineinzupflanzen. Unscheinbar wie ein Senf- oder ein Weizenkorn hat alles begonnen – aber daraus ist ein Riesen-Baum gewachsen. Groß genug, dass sich alle möglichen Vögel in seinen Zweigen einnisten konnten…

In einem nächtlichen Gespräch mit einem jüdischen Theologen, der durchaus die göttliche Bestätigung auf dem Leben von Jesus anerkannte, kommt im Johannesevangelium, Kapitel 3, Vers 3 dieser interessante Satz vor: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen (sehen = Hebraismus: erleben). Du musst nochmal geboren werden. Aber was genau meint Jesus mit dieser Metapher? Eine neue Geburt ist ein totaler Neuanfang. Der neugeborene Mensch ist fleischgewordene Abhängigkeit – aber auch instinktives Vertrauen.

Aus den weiteren Erklärungen wird deutlich, dass diese Neugeburt etwas ist, was Gott der Heilige Geist hier auf der Erde tut. Es ist göttlichen Ursprungs. Was möchte Jesus mit dieser rätselhaften Aussage bewirken? Ich glaube, er will Nikodemus dahin bringen, seine Abhängigkeit vom Lebensspender zu realisieren. Zu sagen: ‚Du musst nochmal geboren werden‘ ist ja nichts, was man dann einfach praktisch umsetzen könnte. Eine zweite Geburt kann man genauso wenig beeinflussen wie man sich das geboren Werden als Mensch nicht aussuchen konnte.

Ähnlich die zweite Metapher: Der Wind weht wo er will, aber du kannst nicht sagen, woher er kommt oder wohin er geht. Du kannst ihn nur hören, aber nicht steuern. Der Baum kann seine Äste und Zweige nicht bewegen, wann er es gerade möchte. Wenn der Wind nicht weht, bewegt sich nichts.

In der evangelikalen Tradition legen wir diesen Text eigentlich immer dahingehend aus, dass es zwei Gruppen von Menschen gibt: die Wiedergeborenen, die an einem Punkt von Gott lebendiggemacht, bewegt wurden, und seitdem das Reich Gottes erleben können, und die Nicht-Wiedergeborenen, die diese Erfahrung noch suchen müssen.

Ich würde diese Sichtweise gerne etwas erweitern. Für mich sind die Worte von Jesus hier auch eine Anleitung für das tägliche, geistliche Leben. Es geht nicht nur um die Qualifikation für ein einmaliges Betreten des himmlischen Reiches, sondern soll uns eine allgemeine, geistliche Wahrheit lehren. Wie kann ich täglich das Reich Gottes erleben? Die Antwort aus dem Text: ich kann es nicht selbst steuern oder beeinflussen. Ich muss anerkennen, dass göttliches, ewiges Leben mir von außerhalb gespendet werden muss. Ich bin brauche den Wind (= Geist, Atem) Gottes, der mich bewegt. Ich muss alle Erfahrungen, alles Wissen und alle Sünden jeden Tag wieder neu hinter mir zurücklassen. Jeder Tag ist für mich Tag Null. Der ewige Neuanfang.

Kann ich denn gar nichts machen? Doch: diesen Worten glauben. In den anschließenden Versen 14-15 heißt es dann: „Mose richtete in der Wüste den Pfahl mit der bronzenen Schlange auf. Genauso muss auch der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die sich im Glauben ihm zuwenden, durch ihn ewiges Leben bekommen.“ (GNB)

Damit knüpft er an eine Geschichte aus dem Alten Testament an (4. Mose 21), die jeder Mal für sich selbst lesen sollte. Jesus sagt Nikodemus: ich werde an einem Kreuz ‚erhöht‘ werden. Wer dann zu mir aufblickt, und glaubt, wird das ewige Leben schmecken. Der Wind weht zwar wann und wo er will. Aber Jesus zeigt uns doch, von wo er weht: vom Kreuz. Dahin muss ich schauen, glauben und warten. Täglich. Das ist das einzige Gegenmittel für die verschiedenen Gifte, die ich täglich (gewollt oder ungewollt) in mich aufnehme. Leben kommt von ihm.

„Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab. Nun werden alle, die sich auf den Sohn Gottes verlassen, nicht zugrunde gehen, sondern ewig leben.“

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Das hier hilft gegen Habsucht.

Einer aus der Volksmenge aber sprach zu ihm: Lehrer, sage meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teile.“ (Lukas 12,13)

Dieser Mann erkannte die Autorität Jesu als Rabbi (Lehrer) an. Er wusste, dass die Menschen auf ihn hörten. Das wollte er ausnutzen. Bei den Juden teilten die Söhne das Erbe unter sich auf, wobei der älteste Bruder einen doppelten Anteil bekam. Was genau in seiner Situation falsch gelaufen war – oder ob überhaupt etwas falsch gelaufen war – ist hier nicht ersichtlich. Aber ganz offensichtlich ging es ihm nicht darum, dass er durch Jesus eine Gottesbeziehung bekommen konnte. Sein Ziel war es, an das Geld zu kommen, das er unbedingt haben wollte. Die Autorität Jesu war für ihn nur ein mögliches Mittel zum Zweck.

Wenn jemand in den Evangelien zu Jesus kommt, und ihn etwas fragt, kann man das eigentlich sehr gut damit vergleichen, wenn heute jemand zu Jesus kommt (im Gebet) und ihn um etwas bittet. Man kann sich also hier jemanden vorstellen, der an die Autorität Jesu appelliert, damit die Erbteilung zu seinen Gunsten ausgeht. Im besten Fall betet er einfach dafür, dass er den Teil abbekommt, der ihm zusteht. Er möchte dieses Geld, und Jesus kann ihm helfen. Denkt er.

Er [Jesus] aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich als Richter oder Erbteiler über euch eingesetzt?“ (14)

Jesus lässt ihn abblitzen. Jesus ist nicht doof. Er lässt sich nicht vor diesen Karren spannen. „Das ist nicht meine Aufgabe. Das ist nicht der Platz, den ich in deinem Leben einnehmen, der Dienst, den ich in deinem Leben tun will. Du bittest den Falschen.“

Er sprach aber zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habsucht! Denn auch wenn jemand Überfluss hat, besteht sein Leben nicht aus seiner Habe.“ (15)

Jesus wendet sich den umstehenden Menschen zu, um sie zu lehren. Der Mann wollte Jesus für seine Zwecke nutzen. Jetzt nutzt Jesus den Mann für seine Zwecke: Als Illustration für seine Kurzandacht. Jesus warnt vor Habsucht, also Materialismus und Geldgier. Habsucht ist das ungezügelte Verlangen nach mehr, neueren und besseren Dingen. Paulus trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er schreibt, dass Habsucht Götzendienst ist (Kolosser 3,5). Nach Luthers Definition mache ich etwas zu meinem Gott, indem ich all meine Hoffnungen darauf setze und alles Gute davon erwarte. Wenn ich habsüchtig bin, hoffe ich, dass Glück, Erfüllung, kurz: Leben, durch Geld und Besitz zunehmen. Aber Jesus lehrt: „der Mensch gewinnt sein Leben nicht aus seinem Besitz, auch wenn der noch so groß ist.“ (Gute Nachricht Übersetzung). Geld und materieller Besitz sind nicht die Quelle des Lebens. Um meine Existenz zu erhalten brauche ich keinen Überfluss. Und selbst wenn ich Überfluss habe, kann dieser mein Leben nicht verlängern.

Alle Menschen werden von einem starken Verlangen nach Leben, nach Glück, nach Erfüllung getrieben. Es geht nicht darum, dieses Verlangen abzustellen. Als wäre es geistlich, diesen Wunsch unerfüllt zu lassen. Unser Problem ist nicht „das Streben nach Glück“. Unser Problem ist der falsche Gott. Weil Gott das weiß, sagt er uns als ersten Grundsatz seiner Anleitung zum Glück: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“

Er sagte aber ein Gleichnis zu ihnen und sprach: Das Land eines reichen Menschen trug viel ein. Und er überlegte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Denn ich habe nicht, wohin ich meine Früchte einsammeln soll. Und er sprach: Dies will ich tun: Ich will meine Scheunen niederreißen und größere bauen und will dahin all mein Korn und meine Güter einsammeln; und ich will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter liegen auf viele Jahre. Ruhe aus, iss, trink, sei fröhlich! Gott aber sprach zu ihm: Du Tor! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Was du aber bereitet hast, für wen wird es sein? So ist, der für sich Schätze sammelt und nicht reich ist im Blick auf Gott.“ (16-21)

Die Sünde des Bauern war nicht sein Reichtum. Es war die Tatsache, dass er seine Sicherheit, seine Erfüllung und seine Freude in seinem Besitz suchte. Deswegen war für ihn viel Besitz = viel Freude, viel Zufriedenheit, viel Ruhe. Sein Scheunenbauen war ein Versuch, sich diese Dinge zu erhalten – zu sichern. Die Scheune war sein Tempel für seinen Gott „Besitz“.

Das Problem mit diesem Gott: er konnte nicht wirklich retten. Deswegen ist er ein falscher Gott, ein falscher Messias. Das wird angesichts des Todes deutlich. Wenn der Tod meine Seele von mir fordert – ist mein Gott dann immer noch da, um mich zu retten? Trägt er mich über die Schwelle des Todes und hinein in die Ewigkeit? Jeder, der das nicht bedenkt, ist (laut Gott) ein Narr. Was für ein Gott ist, das, der mich in der schlimmsten Stunde verlässt?

Ich muss mich fragen, wie ich vor Gott da stehe. Ob ich in seinen Augen ‚reich‘ bin. Was macht einen Menschen reich vor Gott? Was kann ein Mensch besitzen, was ihm nach dem Tod noch bleibt?

3 Tage und 3 Nächte

Schonmal gefragt, wie es möglich ist, dass Jesus am Freitag starb, am Sonntag auferstand, und dabei 3 Tage und 3 Nächte tot gewesen sein soll? Hier ist die Antwort: er starb nicht am Freitag…

Jesu Leiden, Tod und Auferstehung fielen in die Zeit des Passahfestes. Dieses bestand aus dem eigentlichen, eintägigen Passah und dem direkt darauffolgenden, 7-tägigen Fest der ungesäuerten Brote, wobei der erste dieser 7 Tage ebenfalls als ein „Sabbat“ galt (3. Mose 23,6-8). Dieser Sabbat fiel in diesem Jahr auf einen Donnerstag (der große Sabbattag aus Johannes 19,31).

Die Neues Leben Übersetzung gibt hier korrekt wieder: „Die führenden Männer des jüdischen Volkes wollten die Gekreuzigten nicht bis zum nächsten Tag, einem Sabbat – der wegen des Passahfestes noch dazu ein besonderer Sabbat war, am Kreuz hängen lassen.“ (Weil der nächste Tag ein Sabbat war, denken die Meisten, dass es sich demnach bei Jesu Todestag um einen Freitag gehandelt haben muss.)

Was man wissen muss, ist dass das Passahfest oft einfach zum Fest der ungesäuerten Brote dazu gerechnet wurde (was von der inhaltlichen Bedeutung her auch Sinn macht). Man sieht das in Markus 14,12: „Am ersten Tag des Fests der ungesäuerten Brote, dem Tag, an dem die Passahlämmer geopfert wurden, fragten die Jünger Jesus: Wo sollen wir hingehen und das Passahmahl vorbereiten?“

Jüdische Feste beginnen am Abend des Vortages und enden am darauf folgenden Sonnenuntergang. Demnach feierte Jesus das Passah mit seinen Jüngern an einem Dienstag Abend, wurde in der Nacht auf Mittwoch überliefert, Mittwoch Mittags gekreuzigt, und Abends ins Grab gelegt, bevor der Sabbat (also der erste Tag des Festes der ungesäuerten Brote) begann. Dann war sein Leib drei Tage und drei Nächte im Grab, und er auferstand Samstag Abends. Als die Frauen Sonntags Morgens zum Grab kamen, war dieses bereits leer.

 Leider hat die Kirchentradition auch in diesem Fall den Eindruck hinterlassen, dass man nur bibelgläubiger Christ sein kann, wenn man nicht bis drei zählen kann/darf.

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